Das Heiligtum in Fribourg mit seinen Helden und mit seiner Geschichte...

"Immer verbunden..."

 

17.06.10 

 

Treppenaufstieg zur Villa Therèse

Vor 50 Jahren wurden sie hier zum Priester geweiht!

 

"Es hätte uns sehr geschmerzt, wenn dieses Heiligtum profanisiert worden wäre!" sagt Pater Raul leise!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Es stört mich schon, dass der Platz neben dem Heiligtum als Parkplatz für ein Auto und einen Töff gebraucht wird!!! Kann man da nichts machen?

"Wir haben halt damals einfach gebaut!"

"Fribourg bedeutet uns sehr viel. Mein Bruder hat mir die Reise nach Europa bezahlt! Am 25. muss ich zurück. Man kann die Fahrkarte nicht verlängern"

 

"Schon mein Grossvater hat in Fribourg studiert!" Dann hat er dem Pater Seher das Geld für den Kurs nach mir gegeben!"

"Acht Jahre studierten wir in Fribourg. Meine Mutter litt sehr darunter, obwohl sie und mein Vater meine Berufung zum Priestertum unterstützten!"

"Küssen Sie dieses Kreuz!!!"

"Das ist ja sagenhaft, was hier die Priester verdienen! Ich lasse mich auch hier anstellen!"

"Oder macht das Geld vielleicht abhängig von der Gesellschaft...?"

 

 

 

"Alle Leiden der Kirche trägt er mit, ohne zu klagen...!"

 

 

 

"Immer an Ostern und Weihnachten waren wir in der Kathedrale. Orchestermessen!"

 

 

Die tragenden Säulen des Volkes!

 

Sieht man die Spuren von damals noch im Hörsaal der UNI?

"Hier habe ich jeweils gesessen!"

 

"Pater August Ziegler war unser Erzieher!"

 

 

 

 

Die Geschichte mit dem Schönstattheiligtum in Fribourg?

 

Mai 1931.

 

Maria, unter deinem Zeichen stehe dieser Monat! Die Marienverehrung glühe auf, durchwärme uns; mache uns zu Marienaposteln. Wir wollen nicht ruhen und nicht rasten, bis wir eine unendlich zärtliche Ma­rienverehrung erlangt haben. Maria, dein Gnadenkapital wollen wir vermehren. All die kleinen Oepferchen wollen wir sammeln als Maiblüten und sie dann am Ende des Monats Maria zu Füssen legen. Zugleich soll das auch unsere Gemeinschaft leben. Sie soll in die­sem Monat eine Blütezeit erreichen, besonders unsere kleine Grup­pe.

 

In unserm Studierzimmer wollen wir Maria ein kleines Heiligtum er­richten, wollen während des ganzen Monats immer ihr Bild schmücken. Zu diesem Zweck kaufen wir eine Vase. Maria, die M.T.A. segne unser Studium, all unser Handeln." (Chr)

 

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Am 5. April wird die Villa Thérèse gekauft.

 

Am 18. Juli erfolgt der Umzug aus der Miséricorde in die Villa Thé­rèse.

 

Zwei Jahre später berichtet ein Schweizer Novize aus Olpe über die­se Zeit: "Das Gemeinschaftsleben hier war wirklich schön, so schön, dass wir heute, da wir fern von unseren Mitbrüdern sind, uns noch oft mit Sehnsucht zurück­erinnern....Wie oft saßen wir zusammen in trauli­cher Runde und fühlten, dass wir eine Familie sind, dass wir Brüder sind, alle dem gleichen Ziel geweiht: Uns einzusetzen für die sitt­lich‑religiöse Rettung unseres Vaterlandes. Dieses Ziel hat uns ge­eint, dieses Ziel hat uns froh und stark gemacht, dieses Ziel hält uns auch heute noch fest zusammen."(HS 45)

 

"Die Gnaden aber der täglichen heiligen Messe und hei­ligen Kommuni­on, unsere Opfer im Studium, Schule und Haltung der Hausordnung, un­ser jungstarkes Spiel, unser lebensfrohes Singen und Wandern, un­ser ganzes persön­liches Ringen im Alltag trugen wir hin zur Grotte der Gottesmutter. Wir boten alles der Immakulata an, auf dass sie damit mache, was sie wolle. Wir schenkten ihr alle Ver­dienste, da­mit sie dieselben schon heute den Armen, Bedürftigen...

 

An Festtagen unserer Gesellschaft weihten wir uns der Gottesmutter aufs neue beim Fackelschein oder bei den Flammen des Lagerfeuers, auf dass die Glut in unserem Herzen, die uns aufzehren soll für unsere Sendung, nicht erkalte." (HS 45/46)

 

Der Wunsch nach einer MTA‑Kapelle erwachte schon in den Herzen der ersten Studenten, die in die Villa Thérèse einzogen, "so berichtet ein Chronist 1959. (SCH59 105)

 

D e r  8. A u g u s t  1 9 3 4

 

"Den Höhepunkt der Tagung brachte jener unvergessliche Abend des 8. August, als wir uns im altehrwürdigen Kapellchen von St.Martin zu­sam­menfanden zur Abschlussfeier. Die Bedeutung dieser wirklich grossen Stunde liegt darin, dass die erste Generation der pal­lot­tinischen Jugend der Schweiz sich der Dreimal wunderbaren Mutter von Schönstatt feierlich geweiht und verpflichtet hat und sich ihr für den Bau des Schönstatt‑Reiches im Schweizerland als Werkzeug anbot mit der Bitte, sie möge von St.Martin aus Besitz ergreifen von unserem Heimatland und sie möge von hier aus ihren Gnadenstrom ins Tal fließen lassen. Als Ausdruck unserer ernsten Bereitschaft und Hingabe legten wir in dieser Stunde der Gottesmutter im Kapell­chen von St.Martin den  B e r g s c h a t z  nieder, in dem wir seither all unser Wirken, Beten und Opfern der Dreimal wunderbaren Mutter zu Füssen legen, damit Sie daraus einen Gnadenstrom fließen lasse zur Erneuerung unseres Heimatlandes.

 

Diese Stunde war die grosse Gnade und das grosse Erlebnis der 34er Tagung. An diesem 8.August wurde das Kapellchen von St.Martin unser Heiligtum. Heilig und geweiht war für uns von dieser Stunde an die­ser Ort; hier hatten wir uns als Gemeinschaft restlos der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt geweiht; von hier aus sollte Sie ihren Einzug halten ins Schweizerland; hier lag fortan als Unter­pfand unserer Bereitschaft und Treue der Bergschatz." (SN 12)

 

" Am Abend des 8.August 1934 haben wir der MTA im Heiligtum von St. Martin die grosse Bitte vorgetragen: "Lasse Dich hier nieder, Drei­mal Wunderbare Mutter! Lasse hier in diesem Heiligtume aus Deinem Gottesmutterherzen einen Gnadenquell aufbrechen für unseren Ring, für unser Vaterland, der hinunter ins Land sich ergießt, kraftvoll wie die Welle der Tamina, klar wie die Gletscher dort oben." Als Gegengabe versprachen wir unsere ganze jugendliche Opferkraft, ver­sprach manch einer sein Leben." (SN 12,13)

 

Nach der Pari fahren 10 Schweizer nach Schönstatt. "An den Särgen der Heldensodalen liessen wir uns einen besonderen Segen geben für die Heimat. Und zwar während der Ehrenwache, die wir 10 Schweizer nachts von 1.00 ‑ 1.30 gehalten hatten." (P34 51)

 

Am 13. August hielt Pater Kentenich eine Ansprache an die Heimholer der Heldensodalen vor deren Abreise nach Frankreich: "Ich möchte nicht befehlen, selbst wenn ich es könnte, aber die Bitte will ich in den Segen legen: Wenn es Gottes Willen ent­spricht, dass Schön­statt dadurch noch mehr seine Sendung erfüllt, wenn deine heilig­mässigen Gebeine hier ruhen, wo du so gern geweilt hast, wo du auch vom Himmel her bestimmt deinen Geist weiterleben lässt und vom Him­mel aus unser Werk segnest, dann bitten wir dich lass dich finden. Wenn es nicht den Absichten Gottes entspricht, bitten wir, bewirke, dass das Werk, dein Werk, das Werk der Dreimal Wunderbaren Mutter zunächst in Frankreich und dann überall im Aus­lande Wurzel fasst, wo Gott dir eine Aufgabe gegeben hat." (AJ 35)

 

 

D E R  2 3 . F E B R U A R.

 

"Am 23. Februar 1935 sprach zum ersten Mal P.Kentenich in der MTA.  - Kapelle der Villa Thérèse zu uns. Er überbrachte uns die Grüsse vom Heiligtum in Schönstatt. Doch mit dem Gruss auch eine Aufgabe: Die Zeitumstände verlangen, dass wir nun auch mit unseren Ideen nach Aussen stossen. Dazu müssen wir in unserem Lande, in gut er­reichbarer Gegend eine Zentrale haben. Es ist jetzt an der Zeit, dass der Gnadenschatz in St.Martin sich öffne, dass die Gottes­mutter gnadenspendend hinabsteige ins Tal. Unser Sturm St. Martin soll uns die Zentrale erobern. Im Geiste der Heldensodalen sollen auch wir dastehen als eine Gründergeneration im Schweizer Heimat­land. Drum doppelt: Sturm St. Martin.

 

Da entstand bei uns aber doch grosses Bedenken. Müssen wir St.Mar­tin, das uns so lieb und teuer geworden, das uns Leben bedeutet, opfern, zu Gunsten einer Zentrale? Da regten sich die treuen Stür­mer: 'Wir halten an St. Martin fest. Der Ort muss heilig bleiben. Hier wollen wir immer Kraft schöpfen. Wir werden es auch nie zu­lassen, dass St. Martin zu einem gewöhnlichen Ferienort herab­sinkt'. (aus der Führerchronik).

 

Doch, schon am folgenden Morgen konnte P.Volk nach einer Rück­spra­che mit P.Kentenich Klärung in die erregten Gemüter bringen. Wir brauchen St.Martin nicht fallen zu lassen, um uns an eine Zentrale zu binden. Nein, durch St.Martin wollen wir zur Zentrale kom­men. Von dort her muss sie auch gespeist werden. Wohl muss uns die Zentrale dann auch lieb werden, muss Gnadenort sein, heiliges Land. Damit uns die Gottesmutter diesen Ort bald zeige, soll das Schul­jahr 1934/35 ein Jahr ernsten, heldenhaften Ringens werden um unse­re Ideale, ein Jahr des Sturmes für St. Martin. (SN 13/14)

 

 

 

 

1935

"Um was wollen wir kämpfen? Ganz einfach!

Wir wollen die Gottesmutter nötigen, sich in St. Martin niederzu­lassen. Von da aus soll sich ein Gnadenstrom über die Schweiz er­giessen. Also St. Martin soll ein Gnadenort werden. Aber ein Gna­denort der M.T.A.. Also der Gottesmutter von Schönstatt. Was will das besagen?

 

Wir wollen einen Gnadenort, aus Schönstatt gewachsen und in bewuss­ter Verbindung mit ihm. Also die Gottesmutter von Schönstatt, die M.T.A. soll zu uns in die Berge kommen. Wir wollen die lebendigen Bauopfer ihres Domes sein. Der Bergschatz soll sie gleichsam zwin­gen.

 

Aber wozu dies alles? Wir könnten doch ganz einfach ein M.T.A. Bild ins Kapellchen hängen, um dann ein M.T.A. Kapellchen zu haben, wie wir sie schon überall im Lande hier haben, wie wir es nun neuestens auch in der Villa Thérèse besitzen.

 

Was soll denn St.Martin von unserer Kapelle im Hause unterschei­den? ‑ Wenn wir in unserer Kapelle beten, dann fühlen wir uns in Schön­statt. Unser neues Heiligtum ist uns also Symbol, durch das wir gläubig ‑ geistig mit Schönstatt verbunden werden und so glau­ben, dass wir Gnaden von der M.T.A. empfangen. Unsere Kapelle ist uns also nicht primär Gnadenort, sondern Symbol für einen Gnaden­ort, d.h. mit Schönstatt sind wir dann gläubig geistig verbunden." (SN 35 12,13)

 

 

1939

In unserm Hause befindet sich nun auch ein M.T.A. ‑ Kapellchen, das Bild der Dreimal Wunderbaren Mutter. Und wir sind entschlossen, un­ser ganzes Bemühen ihr zu schenken. Wir sollten Maria bewegen, in dieser Kapelle ihren Gnadenthron aufzuschlagen. Wir müssen aber hier eine klare und gesunde Auffassung haben. In diesem Kapellchen erinnert uns alles zunächst eindringlich an unsere Aufgabe, an Schönstatt und St.Martin, an das Gnadenkapital. Aber nicht bloß Erinnerung ist es. Schönstatt und St.Martin werden durch dieses Kapellchen unter uns gegenwärtig. Wir haben die Mutter bei uns, stellen ihr alles zur Verfügung Unser M.T.A. - Kapellchen ist also eine Gegenwärtigsetzung Schönstatts und St.Martins.."

 

"Allüberall da, wo die Voraussetzungen für ein M.T.A. Kapellchen sind wie in Schönstatt, da wird die Gottesmutter mit ihrem ganzen Gnadensegen wirksam. Unser Kapellchen ist eine Verlebendigung Schönstatts und St.Martins. Diese werden aber nicht verkürzt, sie behalten ihre Bedeutung Aber durch unser Kapellchen berühre ich wie durch eine Kontaktstelle das Urheiligtum. Damit aber wird unser M.T.A.‑Kapellchen Zentrum unseres Hauses, eine stetige, lebendige Aufforderung an uns, eine wirkliche Gnadenstätte der Dreimal Wunderbaren Mutter..." (Q39 7,2)

 

Am Schlusse der Feier sprach der hochwürdige Herr Pater Rektor ein herzliches Dankeswort. Er griff besonders den Gedanken heraus, dass wir die M.T.A. Kapelle unseres Hauses in ganz besonderer Weise zum religiösen Mittelpunkt unserer Gemeinschaft und ihres Strebens ma­chen sollten, dass sie wirklich ein Heiligtum und eine Gnadenstätte der Dreimal Wunderbaren Mutter sei, von der aus sie unsere ganze Erziehungs- und Bildungsarbeit in der Villa Thérèse leiten und be­schützen möge. Die nachfolgende Weihe soll nur ablegen, wer in­ner­lich ganz und gar entschlossen sei zu dem grossen Werke, das uns die göttliche Vorsehung aufgetragen, wer sich gänzlich der lieben Gottesmutter verschreiben wolle. Denn diese Weihe könne und dürfe nicht Aeusserlichkeit sein, sondern müsse bluternster Einsatz un­serer ganzen Persönlichkeit sein. Und so legten wir denn auch mit heiligem Ernst die Weihe an die Dreimal Wunderbare Mutter von Schönstatt ab. Gebe Gott die Gnade, dass wir dieser Weihe immer eingedenk bleiben und unsere Sendung erfüllen."

(Q39 7.2)

 

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"Im Jahre 1946 wurden erstmals konkrete Pläne erwogen wie man die Kapellenfrage lösen könnte. Man war sich einstweilen noch nicht, klar, ob man eine Kapelle an das Haus anbauen, die Aula umgestalten oder ein ganz frei stehendes Heiligtum bauen sollte. Wie ernst man aber an das Bauen dachte, zeigt die Tatsache, dass man einen Bau­fonds eröffnete und mit Elan daran ging, Geld zu sammeln. Die zur Verfügung stehende Summe erreichte schon bald die Höhe von 11.000 Franken. Doch die Baupläne kamen vorläufig weder zur Abklärung noch zur Ausführung, weil gerade in jenen Jahren immer wieder die Frage auftauchte: Was soll überhaupt aus der Villa Therese werden?" (UH 3)

 

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"Viele Jahre hindurch mussten die Studenten sich aber mit einer Hauskapelle begnügen, in der über dem Altar das Bild Unserer Lieben Frau von Schönstatt hing. 21 Jahre lang mussten sie warten von 1932 bis 1953 bis der grosse Wunsch, für die Gottesmutter ein eigenes Kapellchen bauen zu können, in Erfüllung ging. Viel Gnadenkapital lag schon als Grundlage bereit, als mit dem Bau begonnen werden konnte." (Sch 59 105)

 

Das MTA‑Bild, das in dieser Hauskapelle hing, wurde später für Por­tugal nach Lissabon geschenkt. Es hing während einiger Jahre in der Hauskapelle im Studentenheim an der Rua Pinheiro Chagas in Lissa­bon. Heute wird es gehütet im Heim von Manuel Barata (d.h. den El­tern von unserem Studenten Diogo Barata) in Lissabon.

 

In diesem Jahre 1953 kommen die ersten zwölf chilenischen Fratres in die Villa Therese. "..sie stellten gleich von Anfang an auch ihre Kräfte zur Verfügung, um am materiellen und geistigen Aufbau des Kapellchens mitzuhelfen."(Sch 59 105)

 

"Die Ankündigung des Marianischen Jahres und das bevorstehende vierzigjährige Jubiläum der Schönstattbewegung brachten den Stein ins Rollen. Das Heiligtum sollte ein Denkmal an das erste Mariani­sche Jahr der Weltgeschichte sein und unser Jubiläumsgeschenk an die Dreimal Wunderbare Mutter und Königin von Schönstatt. Patres, Fratres, Brüder, Studenten und nicht zuletzt die chilenischen No­vizen waren mit Herz und Hand gleich für den Plan eingenommen, und am 8.Dezember 1953, am Beginn des Marianischen Jahres, haben wir das Versprechen abgelegt, der Mater ter admirabilis in diesem Jahr ein Heiligtum zu bauen. Sogleich wurde eine Baukasse gegründet und die geistige Vorbereitung des Kapellchens begonnen."(UH 3,4)

 

"Der nächste Schritt erfolgt am 12.Dezember 1953: mit dem offi­ziellen Gesuch um die Erteilung der Baubewilligung von Seiten der Provinzleitung. Die Eingabe führt aus: 'Der Hausrat der Villa Thé­rèse in Fribourg hat in seiner Sitzung vom 26.September 1953 ein­stimmig beschlossen: wenn der Provinzialrat seine Zustimmung gibt, soll im Verlauf des Marianischen Jahres 1954 in Fribourg ein Schön­stattheiligtum erbaut werden. Der Hausrat stellt daher folgenden Antrag: Es möge der Villa Thérèse die Erlaubnis erteilt werden, im Verlaufe des Marianischen Jahres 1954 an Stelle der bisherigen Lour­desgrotte ein Schönstatt‑Kapellchen zu bauen.

 

Begründung:

1. Der Bau eines Schönstattkapellchens entspricht nicht nur einem Wunsche der Patres, Fratres und Studenten des Hauses, er entspricht auch unserer Ueberzeugung, dass die Gottesmutter ihre Gnadentätig­keit für uns in besonderer Weise an Schönstatt‑Kapellchen gebunden hat. Er entspricht unserer besonderen Erziehungsmethode, in welcher das Schönstatt‑Heiligtum eine wesentliche, ja die wichtigste Rolle spielt. ‑ Unsere bisherige MTA‑Kapelle im Haus ist ein Notbehelf und stellt keine Schönstattkapelle im eigentlichen Sinne dar.

 

2. Dass ein Schönstatt‑Heiligtum gerade in diesem Jahre 1954 gebaut wird, ist in folgenden Umständen begründet:

 

a. Das Jahr 1954 ist ein allgemeines marianisches Jubeljahr, in dem die Verehrung der Gottesmutter besonders gefördert werden soll. ‑ b. Es ist das vierzigste Jahr der Gründung Schönstatts Somit ist es ein Ausdruck unserer Dankbarkeit an die Dreimal wunderbare Mutter und Königin von Schönstatt, wenn wir IHR ein neues Kapellchen bauen in unserer Heimat zum Dank für alles, was unsere Provinz durch Schönstatt erhalten hat. Da gegenwärtig die chilenischen Fratres in Fribourg ihr Noviziat verbringen, haben wir während des ganzen Jah­res Arbeitskräfte genug. Die chilenischen Fratres sind mit grosser Freude und Begeisterung bereit, beim Bau des Heiligtums mitzuhel­fen.

 

 

Finanzierung: Der Hausrat der Villa Thérèse ist bereit, den Bau unter folgenden Bedingungen durchzuführen:

1. Der bereits bestehende Kapellfonds soll dafür eingesetzt werden.

2. Weder das Haus noch die Provinz sollen durch den Bau mit neuen Schulden belastet werden. Das nötige  Geld muss restlos durch frei­willige Sammlung und Beiträge aufgebracht werden.

3. Eine Bauetappe darf erst begonnen werden, wenn das dafür nötige Geld vor ihrem Beginn vorhanden ist.'

 

Die Bauerlaubnis wird sofort erteilt." (UH 495)

 

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M a r i a n i s c h e s  J a h r

 

Wir bauen das Heiligtum in Fribourg.

 

"War nicht der Ort, an dem unser Heiligtum nun steht, seit Jahr­zehnten schon vorbereitet und vorgezeichnet durch die Lourdes­grot­te, die dort stand, durch die Baumallee, die schon seit dem Tag ihrer Pflanzung darauf wartete, die stattliche Pilgerstrasse zum Heiligtum zu werden? ‑ Und war es nicht vorgegeben, dass im Maria­nischen Jahr, das zugleich das Jubiläumsjahr Schönstatts war, ir­gendwo neue Schönstatt‑Heiligtümer erstehen müssten, und zwar sol­che, die wie ein Symbol das Weiterwachsen der Bewegung in den internationalen Raum hinein vorbedeuten sollten? Nun wurde am glei­chen Tag wie in Fribourg auch in Milwaukee (USA) ein neues Schön­stattheiligtum eingeweiht." (UH 2)

 

"Während der Monate April und Mai wird eifrig am Abbruch der alten Lourdesgrotte gearbeitet. Patres, Fratres und Studenten versuchen, mit viel Mühe Stück um Stück vom riesigen Steinklotz wegzuschlagen und wegzusprengen. Pater Höppner ist dabei ein leuchtendes Vorbild. Am 24.Juni, abends 21.40 Uhr gelingt es, den Stein zu stürzen." (UH 5)

 

8.Juni

Der Baufonds überschreitet die ersten 10.000 Franken.

 

8.Juli

Das Baumaterial wird herangeführt.

 

16.Juli

Die Arbeiter heben die Fundamente aus.

 

1.August

Der Grundstein zum Heiligtum wird gelegt.

 

Wir halten fest, was die damalige Festschrift im Umkreis dieses Ta­ges festhielt, vor allem den Text der Pergamenturkunde, die im Grundstein eingemauert wurde.

 

"IN NOMINE DOMINI. - Im Marianischen Jubeljahr 1954, im 16.Jahre des Pontifikates Sr. Heiligkeit Papst Pius XII., im 9.Jahre des Episkopates Sr.Exz.Dr.Franciscus Charrière, Bischof von Lausan­ne – Genf ‑ Freiburg, als P.Dr.Wilhelm Möhler General der Gesell­schaft des Katholischen Apostolates war, Dr.Emil Eigenmann Pro­vinzial der Schweizerprovinz des hl.Niklaus von Flüe, P.Werner Eberhard Rektor der Pallottinerniederlassung in Fribourg, erbaute die Hausge­mein­schaft der Villa Thérèse: die hochw. Patres, die ehrw. Fratres, Brü­der, die chilenischen Novizen, die ehrw. Marienschwe­stern, unter­stützt durch das Gebet und die Gaben edler Wohltäter, unter der Bauleitung des Baumeisters Simon Piantino, Schönberg, der Dreimal wunderbaren Mutter und Königin von Schönstatt dieses Heiligtum und fügte, am 1.August 1954 diesen Grundstein in die Fun­damente der im Bau befindlichen Kapelle ein.

 

Wir bauen dieses neue Schönstattheiligtum als sichtbaren Ausdruck unseres Dankes an die Dreimal Wunderbare und Königin von Schönstatt für ihr gnadenvolles Wirken in der Erziehung der ersten pallotti­ni­schen Generationen in unserer Heimat.

 

Wir bauen es als sichtbaren Ausdruck unserer Treue, in der wir zum Schönstattwerke stehen und in der wir als Werkzeuge in der Hand der Gottesmutter weiterbauen wollen an seiner Fortführung zur religiös‑ sittlichen Erneuerung unserer Heimat und der Welt.

 

Wir bauen das Heiligtum als sichtbaren Ausdruck unserer Bitte: die Dreimal wunderbare Mutter und Königin von Schönstatt möge auch hier unter uns ihren Gnadenthron aufschlagen und Wunder der Gnade wirken zur Formung des neuen Menschen und der neuen Gemeinschaft sowohl innerhalb des Nachwuchses der Schweizer Pallottinerprovinz wie an­de­rer Provinzen, deren Nachwuchs hier den Studien obliegt ‑ wie in der ganzen Hausgemeinschaft der Villa Thérèse und darüber hinaus in Stadt und Kanton Freiburg, und wenn es ihr gefällt, über die Gren­zen der engeren Heimat hinaus.

 

Wir aber wollen durch eifriges Streben nach Werktagsheiligkeit uns be­mühen, der Gottesmutter viele Beiträge für das Gnadenkapital zu bringen und uns zu brauchbaren Werkzeugen in ihrer Hand heranzubil­den.

 

Fribourg, den 1.August 1954"

 

Hernach setzen alle Anwesenden ihren Namen unter das Schriftstück. P.Rektor und P.Ziegler unterzeichnen ferner die Namen aller abwe­senden Patres, Fratres und Brüder, die geistigerweise an der Feier teilnehmen.

 

So wächst das Heiligtum immer mehr zum Giebel empor, ein echtes Schönstattkapellchen mit angebauter Sakristei. Der Baumeister lässt während der Bauzeit nach eigenem Gutdünken einfach einige leichte Abänderungen gegenüber der Urform des Kapellchens durchführen. So gießt er die Umfassung der Fenster etwas breiter, setzt den Chor­bogen etwas höher hinauf und baut eine gewölbte Decke. Das Türmchen des Urheiligtums vergrößert er und gibt ihm eine Spitzform, das Chordach führt er nicht bis zum Giebel hinauf.

 

Bis zum 18.Oktober erreicht die Baukasse den Stand von Fr. 13.150.60.

 

In einer neun‑tägigen Andacht rüstet sich die Hausgemeinschaft für den Einweihungstag.

 

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E i n w e i h u n g  d e s  H e i l i g t u m s

 

P.Provinzial Dr.Emil Eigenmann nimmt die Konsekration des Heilig­tums vor. P.F.Kastner hält die Ansprache zur Einweihung. Am Abend findet eine Abendfeier statt, in der die Hausgemeinschaft sich der Gottesmutter weiht:

 

"Liebe Dreimal wunderbare Mutter und Königin von Schönstatt! Am Abend des 40.Jahrestages der Gründung Schönstattreiches versammeln wir uns in Deinem Heilig­tum, vereint mit allen Mitgliedern der grossen Schön­stattfamilie auf dem weiten Erdenrund. Wir kommen, um Dir unsere Huldigung darzubringen, um Dir zu danken und aufs neue Deinen Beistand zu erflehen...

 

 

In besonderer Weise möchten wir Dir danken für alles Grosse, das Du von Schönstatt aus in unserer Provinz und in unserer lieben Heimat gewirkt hast. Du hast von Anfang an mit mütterlicher Liebe und Sor­ge das Werden und Wachsen unserer Provinz gelenkt. Wir wissen und bekennen dankbar und freudig, dass wir Dir schlechthin alles verdanken: Du hast uns die Berufe zugeführt, Du hast uns zu einer ge­schlossenen Gemeinschaft geeint, Dir verdanken wir unsere Erfolge in Schule, Seelsorge und Schriftenapostolat, Du hast uns den Mut und die Kraft gegeben, grosse apostolische Aufgaben zu übernehmen.

 

Liebe Dreimal wunderbare Mutter von Schönstatt, von Herzen danken wir Dir heute für alles, was Du für jeden einzelnen von uns, was Du für unsere Provinz was Du für den Aufbau der Bewegung in unserer Heimat getan hast...

 

Lass uns für alles, alles herzlich danken,

mit inniger Liebe, Mutter, Dich umranken.

Was wären wir geworden ohne Dich,

die Du für uns besorgt bist mütterlich!

 

Wir geloben heute, Dir von neuem in Treue zu dienen, für Dich und Dein Reich uns einzusetzen, solange wir leben, eingedenk unseres Versprechens: "Der Heimat treu und treu der Wunderbaren Ruf wollen wir nicht ruhn, bis sie um uns ein neues Reich sich schuf." Dir weiht sich heute ein jeder von uns aufs Neue, Dir übergeben wir al­les, was wir sind und was wir haben, was wir tun und was wir tra­gen. Alles soll Dir zu Eigen sein, alles soll Deinem Werke dienen. Dir weihen wir heute aufs Neue unsere ganze Provinz: Alle ihre Nie­derlassungen, alle ihre Häuser, alle ihre Unterneh­mungen: Alles soll Dir gehören. Was immer wir tun als Patres, Brü­der, Fratres, alles soll für Dich getan sein, soll der Mehrung des Gnadenkapitals und dem Aufbau Deines Schönstattreiches dienen...

 

Dreimal wunderbare Mutter und Königin von Schönstatt! Wir wissen, wie schwach wir aus uns selber sind. Aus eigenen Kräften vermögen wir nicht, Dir zu dienen, wie Du es verdienst und wie Dein Werk es braucht. Darum bitten wir Dich innig: Stehe Du uns bei von Deinem Heiligtume aus. Du hast, wie wir glauben, in besonderer Weise Dei­nen Gnadenthron darin aufgeschlagen, um uns all jene Gnaden zu schenken, die wir brauchen, um jene Sendung erfüllen zu können, die unser seliger Vater Vinzenz Pallotti uns als Erbe hinterlassen hat. Darum wollen wir immer wieder freudig und dankbar Dein Heiligtum aufsuchen. Es soll die Heimat unserer Seelen, es soll unser Lieb­lingsplätzchen sein, wohin wir uns gern zurückziehen aus der Hast des Alltags. Es soll die Wiege der Heiligkeit für uns sein, wo wir täglich neue Kraft holen zu ernstem Streben nach Werktagshei­lig­keit. Es soll unser Coenakulum sein, aus dem wir ausziehen, um See­len für Dich und Deinen Sohn zu erobern...

 

Wir bitten Dich, Du mögest den Geist der Gründergeneration Schön­statts nicht nur in unserer Provinz, sondern in der ganzen Gesell­schaft neu entzünden und bis ans Ende der Zeiten lebendig erhalten. Wir bitten Dich auch, Du mögest diesen Geist in allen Teilen und Gliederungen der Bewegung sowohl in unserer Heimat wie in andern Ländern neu entzünden und stets lebendig erhalten, damit doch bald die Stunde komme, da die Welt, durch Dich erneut, Deinem Sohne Weihrauch streut. Amen."

 

P.Eigenmann hält zu dieser Feierstunde eine Ansprache. Wir lassen deren Zusammenfassung so folgen, wie sie in der damaligen Fest­schrift auf S.23 und 24 festgehalten wurde.

 

A n s p r a c h e  d e s  h o c h w. P. P r o v i n z i a l s

(Zusammenfassung)

 

Heute Morgen haben wir dieses Kapellchen geweiht. Wir haben es da­mit herausgehoben aus dem irdischen Bereich, es Gott überantwortet, in Gottes Dienst gestellt. ‑ Damit ist ein alter Wunsch zur Ver­wirk­lichung gekommen, der immer wieder ausgesprochen wurde, seit die Pallottiner in Fribourg sind. Dieses Heiligtum ist aber nicht ein gewöhnliches Kapellchen, das der Gottesmutter geweiht ist, wie andere Kapellchen dem hl.Josef oder hl.Antonius geweiht sind. Es ist ein Schönstattkapellchen. Wenn wir dieses Heiligtum gebaut ha­ben, dann deshalb, weil wir erwarten, dass die Gottesmutter so wie in Schönstatt auch hier ihren Gnadenthron aufschlage, um von hier aus eine groß angelegte apostolische Bewegung aufzubauen.

 

Wenn dieses Heiligtum aber ein Schönstattkapellchen ist und immer mehr werden soll, dann wird es nach den gleichen Werdegesetzen wach­sen wie das Urheiligtum. Schönstatt ist geworden durch das Liebesbündnis, durch die Ganzhingabe. Es galt das Gesetz: Nichts ohne die Gottesmutter, aber auch nichts ohne den heroischen Einsatz der Verbündeten. "Totum pro toto!"

 

Es gehört darum zur Vollendung dieses Tages, dass wir nach der Ein­weihung des Kapellchen heute Morgen nun uns selber der Gottesmutter

weihen und das Liebesbündnis mit ihr erneuern. Der Tag der Einwei­hung muss zugleich ein Tag der Ganzhingabe sein: Ganzhingabe jedes Einzelnen und Ganzhingabe der gesamten Provinz.

 

Ganzhingabe jedes Einzelnen

1. Wer immer als lebendiges Glied der Apostolischen Bewegung von Schönstatt mithelfen will, das Schönstattreich aufzubauen, muss durch seine Opfer und seine Hingabe Beiträge zur Vermehrung des Gnadenschatzes schenken. "Nichts ohne uns": dies gilt schon vom einfachen Mitarbeiter der Liga. Wer aber als Mitglied eines Ver­bandes pars centralis der Bewegung sein will, dessen Hingabe muss entsprechend grösser sein. Dies gilt in vermehrtem Masse für uns Pallottiner als Mitglieder des innersten tragenden Kernes. Ausdruck dieser unserer Gesamthingabe sind unsere Versprechen des Gehorsams, der Armut und der Keuschheit. Um der Ganzhingabe willen verpflich­ten wir uns zu den apostolischen Räten.

 

Wir dürfen nicht ein Doppelleben führen: hier Schönstatt und hier Pallottiner. Unsere Ganzhingabe an Schönstatt ist zugleich Leben aus dem Geist der vollkommenen Armut, der Keuschheit und des Gehor­sams. Schönstatt wird in der Schweiz nur dann seine Sendung erfül­len und dieses Heiligtum wird nur dann ein Zentrum der Gnade wer­den, wenn es uns gelingt, den Geist der Provinz auf eine hohe und höchste Stufe zu bringen. Erziehung zur Blankovollmacht und zu In­scriptiogeist muss deshalb Ziel des Scholastikates sein.

 

2. Schönstatt und der Geist der Versprechen bedingen sich so sehr, dass immer dort, wo der Geist der Versprechen nicht ge­pflegt wird, bald auch der Sinn für Schönstatt verloren geht. Es braucht eine aszetische Höhenlage, um Schönstatt bejahen zu können.

 

Ganzhingabe der Provinz

Wie im Leben der Einzelnen, so darf es auch im Leben der Provinz nicht ein Doppelleben geben. "Der Heimat treu und treu der Wunder­baren Ruf wollen wir nicht ruhn, bis sie um uns ein neues Reich sich schuf." Das steht im Hintergrund aller Bemühungen und Unter­nehmungen innerhalb der Provinz. Es darf nicht sein, dass einige wenige aus unserer Provinz von einer Zentrale aus sich dem Aufbau des Schönstattreiches in der Schweiz widmen, das übrige Leben und Arbeiten in den anderen Häusern der Provinz daran vorbei läuft. Alle personellen und alle finanziellen Kräfte, alle Arbeiten und Unter­nehmungen der Provinz müssen vielmehr dem einen Ziel, dem Aufbau der groß angelegten Apostolischen Bewegung dienen. Wir müssen uns verantwortlich fühlen für den Aufbau des ganzen Werkes: der ver­schiedenen Verbände und der Gliederungen, und überall, wo Pallot­tiner arbeiten, muss ein Stützpunkt der Bewegung sein. In der Hin­ordnung auf die Bewegung müssen wir die Aufgaben unserer Häuser sehen:

 

Unsere beiden Mittelschulen in Gossau und Ebikon haben die Aufgabe, Pallottiner, Weltpriester und Laienakademiker als Träger der Bewe­gung heranzuschulen.

 

Fribourg wird dafür besorgt sein müssen, dass um dieses neue Ka­pell­chen herum eine Hochschulbewegung entsteht.

 

Morschach und Fribourg als Erziehungsstätten der Pallottiner und damit des innersten Kernes werden in einem erhöhten Masse für schönstättischen Geist und Leben besorgt sein.

 

Das Lehrlingsheim in Ebikon soll uns durch die dreijährige Erzie­hung solche junge Männer schenken, die unter den Werktätigen Träger der Bewegung sind.

 

Es ist Aufgabe der Patres, die in der Seelsorge arbeiten, allmäh­lich in Zusammenarbeit mit diesen tragenden Kräften der Bewegung das Volk zu erfassen und zu schulen. Neben den beiden Mittelschulen der Apostolischen Bewegung werden wir darum bald auch eine Volks­hochschule aufbauen müssen.

 

Immer mehr werden wir die Eigenart unserer pallottinisch schön­stät­tischen Erziehung und Seelsorge herausarbeiten müssen. Wir werden darum für später am Aufbau eines pädagogisch pastorellen Instituts interessiert sein. In diesem Sinne ist auch die Aufgabe im Thurhof wertvoll, da am Erziehungsschwierigen sich die Güte der Erziehung erweist (vgl. Don Bosco).

 

Wenn wir am 40.Jahrestag der Gründung von Schönstatt dieses Kapell­chen geweiht haben, dann wollen wir auch mit derselben Ganzhingabe wie die damaligen Studenten uns der Gottesmutter übergeben. Wir wer­den dann erfahren, dass diese Stunde ebenso gesegnet sein wird wie jene von 1914.

 

 

8.Dezember 1954

 

An diesem Tag wird das Marianische Jahr abgeschlossen. Am Vormittag um neun Uhr singen die Fratres die Muttergottesmesse im Heiligtum. P.Theo Meier hält dabei die Festpredigt. Dabei führt er unter ande­rem aus:

 

"Und vielleicht ist es auch erlaubt, aus der konkreten Situation un­se­res Hauses und unserer Gemeinschaften heraus der heutigen Weihe eine ganz besondere Note zu geben, sie gleichsam fribourgisch zu fär­ben. Was wollen wir an eigenem in die Weihe hineinlegen? Wir bemühen uns ja schon seit längerer Zeit, dieses Eigene unseres Hau­ses zu finden. Seitdem wir die Gottesmutter unter uns haben im Hei­ligtum, taucht immer wieder die Frage auf: was willst du von uns, was willst du von uns ganz besonders? Sie erwarten keine fertige Formulierung des Hausideals von mir, sondern höchstens ein paar per­sönliche Überlegungen. Wenn ich den Schluss meiner Predigt vor­aus nehmen will, ob unsere Freiburger Hausgemeinschaft sich nicht verantwortlich fühlen soll für einen lebendigen, sieghaften Schön­stattglauben. Freiburg die Heimat schönstättischen Sendungs­glaubens für unsere Provinz."

 

 

"Ein Wunder des Glaubens. Wir haben uns zu Anfang die Frage ge­stellt, was wohl die Gottesmutter von uns ganz besonders haben will; was für eine Aufgabe, was für ein Ideal sie wohl uns gegeben? Ob es nicht in der Richtung des Gesagten liegt? Die Lage der Zeit weist uns darauf hin, es kommt darauf an, wie tief heute geglaubt wird. Der hl.Vater erwartet von diesem lebendigen Glauben an die Sendung Mariens eine Überwindung der Zeitnöte. Lebendiger und marianischer Sendungsglaube ist das nicht auch die Aufgabe, die Fribourg schon einmal gestellt wurde. Denken sie an Petrus Kani­sius, denken sie an die Worte, die über der Eingangspforte von Bürgeln stehen, denken sie an die Worte, die über dem Gnadenbild von Bürgeln: Gardienne de la foi. Hüterin des Glaubens, Hüterin des kath.Sendungsglaubens. Ist das nicht auch die Aufgabe unseres Hau­ses? Ist Fribourg nicht die geistige Sendestation unserer Provinz? Hier haben alle unsere Patres die Sendung angetreten hier werden auch in Zukunft viele unserer Lehrer ihre Tätigkeit in der Schule beginnen. Aber wir wissen es, unsere Sendung erfüllt man nur mit einem tiefen Glauben. Nicht das Wissen ist das Erste das Ausschlag­gebende, sondern der Glaube an Schönstatt, an das Heiligtum an die Gottesmutter. Mit diesem Glauben steht und fällt unsere Fruchtbar­keit. Fribourg, die Heimat eines sieghaften, konsequenten Sen­dungs­glaubens. Ob das Gottes Wille für uns ist?"

 

 

Vom 8.Dezember an beginnt die Zeichnung von Spendekarten für den Schönstattaltar im Heiligtum. Die Karten tragen die Aufschrift: 'Der Unterzeichnete verpflichtet sich hiermit, bis zum 8. Dezember 1955 einen Beitrag von Fr. 20.‑ für den Altar im neuen Schön­statt­heiligtum in Freiburg zur Verfügung zu stellen. Unterschrift. Datum. Nach Unterzeichnung wird die Karte an P.August Ziegler ab­gegeben. Hundert Spendekarten wurden benötigt, um den Altar be­stellen zu können, weitere hundert werden benötigt um ihn im Ka­pellchen aufzustellen." (SchN 5)

 

18.Dezember 1954

 

Während des ganzen Tages ist Anbetung im MTA‑Heiligtum. "Wir wollen dies auch in Zukunft an jedem 18. des Monats halten, um in heiliger Pfingstgemeinschaft immer mehr sendungsbereit zu werden im Dienste unserer Mutter." (SchN 4)

 

24.Dezember 1954

 

Anbringung des Ewigen Lichtes im Heiligtum.

"Der Gemeinschaft wurde noch die Freude zuteil, dass wir vor dem Heiligen Abend von Herrn Pilloud, einem Fribourger Goldschmied, das ewige Licht für das Heiligtum erhielten. So durften wir der Gottes­mutter unser Weihnachtsgeschenk ins Heiligtum tragen: das ewige Licht, gearbeitet nach dem Vorbild im Urheiligtum von Schönstatt." (SchN 4)

 

 

1 9 5 5

 

Am Vormittag des 1.Januar wird in einer Feierstunde der Gottesmut­ter das Geschenk von Fr. 2.000 in bar oder in Spendekarten über­bracht.

 

23.Januar 1955

 

Pallottifeier mit Ansprache von P.Provinzial Dr. Emil Eigenmann.

 

" Im Liebesbündnis mit Maria finden wir die Erklärung der Sendung Vinzenz Pallottis, und dieses selbe Bündnis, das gleiche Liebes­bündnis will sie mit jedem von uns schließen. In Schönstatt, mit­tels unseres zweiten Gründers Pater Josef Kentenich, hat sich die Gottesmutter neu unserer Gesellschaft geschenkt und das ganze Werk selbst in die Hände genommen. Unsere Antwort kann bloß ein tiefer Glaube an diese Sendung sein. Verstehen vielleicht auch wir gar nicht die grosse Sendung, haben wir vielleicht zu wenig übernatür­lichen Glauben? Stehen wir etwa auch vor dem Sterbebett Vinzenz Pallottis und fragen ihn bange um die Zukunft? Können wir noch an unserer Sendung zweifeln, nachdem Schönstatt vierzig Jahre be­steht?"

 

In einem Brief von P. Kentenich vom 22.2.1955 lesen wir:

 

"Gleichzeitig schreibt mir P.August Ziegler aus der Schweiz: 'Zum Schluss möchte ich Ihnen noch etwas Schönes erzählen von unserem Haus. Ich habe am letzten Geisteserneuerungsvortrag die Bedeutung des Sendungsglaubens dargelegt.... Im letzten Teil des Vortrages zeigte ich auf, warum es gerade Sendung unseres Hauses und unseres Heiligtums sei, Heimat und Ausstrahlungsstätte eines hochgradigen Sendungsglaubens zu sein. Der Vortrag fand grossen Anklang. Als bleibende Frucht halten wir nun jeden Samstagabend eine Anbetungs­stunde im Kapellchen, in der die ganze Hausgemeinschaft um Erhal­tung, Vertiefung und Ausbreitung des Sendungsglaubens betet. Ich lege eine Abschrift des Gebetes bei, das wir dabei gemeinsam beten:

 

'Gebet der Hausgemeinschaft um die Verwirklichung des Hausideals: Liebe Dreimal Wunderbare Mutter und Königin von Sch., Du hast uns nebst vielen anderen grossen Gaben den Glauben an unsere Sendung geschenkt. Dieser Glaube hat uns eine ganz neue Schau unserer Ge­sellschaft und des gesamten Werkes des Kath. Apostolates gegeben. Er hat in uns eine neue Liebe zu Dir, zu Deinem Heiligtum und zur ganzen grossen Sch. Familie entzündet. Dieser Glaube hat uns eine Neugestaltung unseres Lebens geschenkt das Leben aus dem Liebes­bündnis mit Dir. So ist dieser Glaube für uns Quelle, Wurzel und Fundament für eine neue Form unseres eigenen Lebens und unserer Gemeinschaft geworden.

 

Wir danken Dir, o Dreimal Wunderbare Mutter und Königin von Schön­statt für diese Gnade des Sendungsglaubens. Wir wissen ja: Du hast uns diesen Glauben geschenkt, Du hast uns damit die neue Schau, die neue Liebe und die neue Lebensform geschenkt. Du hast unserer Ge­mein­schaft diesen neuen Lebensquell entsiegelt, der unsere ganze Seele und unsere ganze Gesellschaft mit neuem Leben durchflutet. Du hast diese neue Wurzel in unsere Familie hineingesenkt, aus der sie sich zu einem mächtigen Baume entwickeln kann, dessen Äste und Zwei­ge sich ausbreiten über die ganze Erde in alle Völker und Stän­de hinein. Du hast dieses neue Fundament gelegt, auf dem sich der Schönstattdom, als Idealkirche im Kleinen erheben soll. Mutter, wir danken Dir für diesen Glauben und bekennen: nie genug können wir Dir dafür danken.

 

Liebe Dreimal Wunderbare Mutter und Königin von Schönstatt: Wir bitten Dich: lass uns das grosse Geschenk des Sendungsglaubens nie verlieren. Erweise Dich auch. hier als die bewährte "gardienne de la foi", als die Hüterin des Glaubens, unter deren Obhut und Sorge der Glaubensgeist nicht bloß erhalten bleibt, sondern immer stär­ker und tiefer wird. Lasse alle, die jetzt und in Zukunft hier le­ben, und die hierher kommen, von diesem übernatürlichen Sendungs­glauben erfüllt und ganz durchdrungen werden. Gibt dass dieses Hei­ligtum und unser Haus zu einem Strahlungszentrum werden, von dem dieser Glaubensgeist hinausstrahlt in die Provinz hinaus und dar­über hinaus in weite Kreise der Gesellschaft und der Bewegung hi­nein.

 

Liebe Dreimal Wunderbare Mutter u. Königin von Sch. Voll Vertrauen übergeben wir Dir unsere grosse Bitte. Du lässt uns auch die Ant­wort geben: "Macht euch keine Sorge um die Erfüllung eures Wun­sches. Ego diligentes me diligo. Ich liebe die, die mich lieben." Doch Du stellst auch die ernste Forderung: "Beweist mir erst, dass Ihr mich wirklich liebt, dass es euch ernst ist mit eurem Vorhaben. Erwerbt euch nur durch treue und treueste Pflichterfüllung recht viele Verdienste und stellt sie mir zur Verfügung. Dann werde ich gerne hier die Gnaden zu einem hochgradigen Sendungsglauben aus­tei­len." Sieh Mutter, wir sind bereit, Dir täglich durch hochgemutes Streben nach Werktagsheiligkeit unsere Beiträge darzubringen, damit Du unseren Wunsch erfüllen kannst.

 

Du aber, Mutter, stärke uns, Denn aus uns vermögen wir nichts. Gib Du uns Kraft und Ausdauer damit wir nie erlahmen, sondern jeden Tag mit neuem Eifer uns einsetzen, das Gnadenkapital zu mehren. Amen."

 

Im Briefe heisst es sodann: "Noch eine Nachricht, die Sie interes­sieren wird: am vergangenen Sonntag war ein chilenischer Jesuit hier auf Besuch ein verhältnismäßig noch junger sehr intelligenter vielseitig gebildeter Pater, der seit einigen Jahren Professor an der Gregoriana ist, daneben aber noch weiter studiert, (Interna­ti­onales Recht in Genf und London) und gute Beziehungen hat zur Unes­co. Er war letzten Herbst schon einmal kurz hier, um die chileni­schen Landsleute zu besuchen. Einer der Novizen war sein Schüler, als er noch Professor am Jesuitenkolleg in Santiago war. Was uns vor allem interessant und erfreulich an diesem Pater erscheint, ist die Tatsache, dass er offen eine grosse Sympathie für Schönstatt zeigt. Er meint, dass unsere Bewegung eine grosse Zukunft hätte und dass die Kirche, um die grossen Aufgaben der Zukunft zu lösen, so­wohl die Jesuiten als auch Schönstatt brauche. Er bedauert sehr, dass Schönstatt noch nicht mehr bekannt ist. Er meint, dass Schön­statt auch in Rom eine grosse Aufgabe zu lösen habe. Vorläufig sei er an der Gregoriana der einzige Propagandist für Schönstatt. Er war der Ansicht, die chilenischen Fratres sollten zum Theologie­studium nach  R o m  an die Gregoriana kommen, nicht wegen der Schule, sondern um die Bewegung unter den vielen internationalen Studenten bekannt zu machen. Er sagte auch, wir sollten uns doch durch keine Anfechtung, woher sie auch immer kommen würde, von un­serem Wege abbringen lassen." Soweit der Text.

 

Dass unsere Zahl klein ist, darf nicht bedrücken und betrüben. Wenn die Wenigen, die zu uns stehen, nur ganz vom Sendungsglauben er­grif­fen sind, und sich zu echten Führern heranbilden lassen: das genügt."

 

So der Ausschnitt aus dem Briefe von Pater Kentenich.

 

"P.Kentenich selbst hat einen Geldbeitrag ans Heiligtum geschickt." (Pr)

 

 

 

25.März 1955

 

Professfeier der Chilenen. In der Ansprache von P.Dr.Emil Eigenmann lesen wir:

 

"Auch ihr habt eine Botschaft gehört, die Botschaft von Schönstatt, Vor hundert Jahren hat sie Vinzenz Pallotti in visionärer Schau zum ersten Mal der Welt verkündigt. Nicht bloß die amtlichen Träger sollen das Apostolat ausüben. Nein, alle Menschen müssen zu Apo­steln geschult werden, müssen zusammengefasst werden zu einer apo­stolischen Bewegung. Damit sie bestehen kann, muss es Menschen ge­ben, die dem innersten Teil dieses Werkes sich verpflichten, als lebendige Träger dieser Bewegung sich ganz aufzuopfern. Diese Bot­schaft hat Vinzenz Pallotti von Gott und der Gottesmutter empfan­gen: eine marianische Botschaft, eine ähnliche Botschaft wie Maria sie empfangen.

 

Vinzenz Pallotti wollte, dass alle Katholiken in ihrem Kreis, ähn­lich wie Maria, Christus der Welt bringen. Aber die damalige Bot­schaft wurde von vielen überhört, von vielen, die sie hörten, als phantastisch abgetan. Viele selbst von denen, die sich ihr ver­schrie­ben, wagten es nicht, sie in die Wirklichkeit umzusetzen, sie aller Welt zu künden. Bis die Gottesmutter in Schönstatt die Bot­schaft selber an die Hand nahm, nachdem sie junge Menschen ange­regt, mit ihr den Bund der Liebe zu schließen. Nun wird die Bot­schaft Vinzenz Pallottis von diesem Heiligtum in Schönstatt aus neu der Welt verkündigt als Schönstatt‑Botschaft, dass sich die Gottes­mutter selbst in Schönstatt niederließ, selbst das Werk an die Hand nahm. Das menschliche Werkzeug, Pater Josef Kentenich hat am 31.Mai diese Botschaft auch in Bellavista verkündigt. Er ist wie der Engel Gottes vor Euch getreten. Die Botschaft vom 31.Mai ist eine marianische Botschaft..."

 

"Was Ihr in der Stille empfangen, werdet Ihr der Welt künden, auch wenn Ihr der Welt ein Zeichen des Ärgernisses seid, auch wenn sie sich entscheiden soll, zu glauben oder zu ärgern. Auch am Kreuz wer­det Ihr nicht vorbeikommen. Ihr werdet verfolgt werden. Ihr wer­det auch hier der Gottesmutter ähnlich werden. Dann wird der Sieg auch Euer sein. Nur dann wird sich vollenden, was Ihr am 31.Mai als spezielle Sendung empfangen habt."

 

In den Chroniknotizen von P.Kentenich aus dem Jahre 1955 lesen wir auf Seite 5 - 7:

 

"Auf einen ähnlich freudigen Ton ist ein Bericht aus der Schweiz abgestimmt: "Nun hätte ich Ihnen viel zu erzählen. Vom 28.August bis 3.Sept. hatten wir unsere Provinz‑Exerzitien in Ebikon, die P. Bezler hielt. Er hat seine Sache sehr gut gemacht. Wohl noch nie haben wir in so reiner Form Schönstatt‑Exerzitien gemacht wie dies­mal. Alle Vorträge kreisten um unsere Schönstattsendung, und P. Bezler hat in allen Punkten sehr klar und mutig die integrale Auf­fassung dargelegt. Was mich noch mehr freute, war die Aufnahme und das Echo, das die Vorträge gefunden haben. Die Patres waren allge­mein sehr zufrieden und dankbar, dass der ganze Exerzitienkurs auf diese Linie eingestellt war. Besonders bei der jungen Generation hat er grossen Anklang gefunden. Im Ganzen nahmen 37 Patres (von 50) an den Exerzitien teil. So hat dieser Kurs viel beigetragen, um die Schönstatt‑Treue und die Geschlossenheit der Provinz zu stär­ken. Was mich ebenfalls mit grosser Freude erfüllte, war die Tat­sache, dass während der Exerzitientage sehr viel gebetet wurde im Heilig­tum. Jeden Nachmittag zwischen 2 und 5 Uhr war Aussetzung im Ka­pellchen und es fanden sich immer ganz freiwillig eine beträcht­liche Zahl von Betern ein, wie übrigens auch sonst während des Ta­ges. -

Im Anschluss an die Exerzitien hielten wir unseren "Provinztag" von Freitagmittag bis Samstagmittag. P.Provinzial nahm dabei Stel­lung zu aktuellen Fragen der Provinz, sowohl hinsichtlich des inne­ren Lebens und Aufbauens der Provinz wie der Tätigkeit nach außen. Anschließend war allgemeine Aussprache über die angeschnittenen Fragen. Auch hier zeigte sich aufs neue, wie selbstverständlich und geschlossen die Patres zu unserer Schönstatt Sendung stehen. P. Provinzial sagte bei dieser Gelegenheit auch einige sehr offene und mutige Worte bezüglich des Streites um Ihre Person und forderte alle auf, sich durch keine Angriffe auf Sie, woher sie auch kommen mögen, ir­remachen zu lassen."

 

 Ein Held vom Heiligtum der Brücken in Fribourg:Pater Karl Widmer, + 19. Juni 2012 friedlich entschlafen!

 

 

 

18.Oktober 1955

 

Aus dem Vortrag von P.August Ziegler:

"Wir wollen in diesem Jahr in einer ganz besonderen Richtung wach­sen. Wir wollen ein besonderes Jahresziel. Es ist nicht schwer, den Wunsch Gottes zu erkennen. Im nächsten Jahr kommt es wahrscheinlich zur Heiligsprechung unseres seligen Vaters Vinzenz Pallotti. Gottes Vorsehung will uns zu einer grösseren Verbundenheit mit dem Vater unserer Gemeinschaft führen. Gott spricht nicht durch Worte zu uns, sondern durch Taten. Wir sollen ergriffen sein, für unsern Vater erglühen. Weil durch Pater Kentenich das Werk zur Vollendung ge­lan­gen sollte, soll auch unsere Verbundenheit, unser Verhältnis und unser Verstehen dem Vater des Schönstattwerkes gegenüber wachsen. In unserer Gemeinschaft haben wir zwei Väter: Gott hat es so gefügt und weil er es so gefügt, dürfen wir sie nicht trennen, sondern sie müssen immer in unserer Seele verbunden bleiben. Der eine Vater kann nicht verstanden werden ohne den andern.

 

Das muss also die Richtung sein in diesem Jahr, die Richtung auf den Vater unserer Familie. Eine grosse Welt tut sich da vor uns auf. Wie Eroberer stehen wir vor den Grenzen eines neuen Landes, eines "Vaterlandes".

 

Das bedeutet auch den Grund, weshalb heute die Darstellung Vinzenz Pallottis mit dem Gründer des Schönstattwerkes Pater Kentenich in dieses Kapellchen hineinkommt. Es soll sein wie ein Programm. Es soll sein wie das Banner, das jeweils von den Eroberern aufgepflanzt wurde. Ebenso pflanzen wir das Bild unseres Vaters am Eingang des neuen Schönstattjahres auf. In diesem Zeichen wollen wir das ganze Jahr durchforschen und durchgehen. Welch grosse Welt tut sich da auf. Wir werden miteinander arbeiten und beten, um es zu erobern."

 

Aus Aufzeichnungen von Pater Kentenich zum Schönstättischen Vaterjahr, das vom Hei­ligtum in Fribourg aus ausgerufen wurde:

 

"Der allgemeinen Hinweise sind es vier. An erster Stelle werde man sich des inneren Zusammenhanges zwischen Vater‑ und Familienjahr bewusst. Es braucht wahrhaftig nicht viel Überlegung, dass hier - wie es auch sonst oft in Leben und Wissenschaft geschieht - ein Teil als Symbol fürs Ganze genommen und im Interesse des Ganzen

möglichst vollkommen erstrebt wird.

 

 

Zweiter Hinweis: wie berechtigt dieses Verfahren besonders in die­sem Falle ist, ergibt sich aus der Bedeutung des Vaters für Auf‑ und Ausbau einer gesunden Familie. Frühere Kurse haben sich darüber ausführlich verbreitet. Darinnen dürfte die gesamte moderne Litera­tur über diesen hochwichtigen Gegenstand originell verarbeitet sein. Man bemühe sich deshalb sie einzusehen und neu durchzuar­bei­ten.

 

Dritter Hinweis: um die ganze Bedeutungsfülle des Vaterprinzips für heutige Lebensfragen noch besser zu verstehen, denke man an den in­neren Zusammenhang zwischen Vaterprinzip und Instituta saecularia, wie WIR sie von Anfang an aufgefasst haben. Auch darüber findet sich alles Wissenswerte in unserem Schrifttum. Es will nur gehoben und neu durchdrungen werden.

 

Vierter Hinweis: Man darf nicht übersehen, dass auch Pallotti das Vaterprinzip zur beherrschenden Großmacht seiner Stiftung machen wollte. Auch darüber ist an anderer Stelle alles Wesentliche zusam­mengetragen. Um wenigstens einen Text in Erinnerung zu rufen, geben wir Pallotti das Wort er mahnt:

 

"Jeder Rektor sei sich bewusst, dass er immer und überall denken und reden und anordnen soll als Vater. Er muss alle Mitglieder der Gemeinschaft als Söhne Jesus Christus lieben. Darum wird er auch Va­ter genannt. Liebevoll und mit einer Freundlichkeit, die aus der Uebernatur quillt, soll er sie aufmuntern und so zu unseres Herrn Jesu Christi Ehre ein vollkommenes Opferleben führen. Entsprechend ihren Fähigkeiten und Verhältnissen soll er sie auch für die gros­sen Aufgaben ihres Berufes ertüchtigen."

 

Diese allgemein gehaltenen Erwägungen erhalten eine genauere Spezi­alisierung, wenn wir dem Vaterjahr das Wort Schönstatt beifügen, und von einem Schönstättischen Vaterjahr sprechen.

 

Ein Vaterjahr dieser Art kreist ‑ wie alle Lebensäusserungen Schön­statts um das Liebesbündnis der MTA mit Schönstatt. Das besagt in diesem Fall ein Doppeltes:

 

Erstens soll dadurch zum Ausdruck gebracht werden: Das Liebesbünd­nis mit der MTA und dem Heiland will und soll sich in diesem Jahre für den besagten Kreis bewusst und angelegentlich zum Liebesbündnis mit dem Vatergott ausweiten. Damit ist von selber die Aufgabe ge­stellt, die ganze Welt der Gotteskindschaft neu durchzubeten, durchzubetrachten und praktisch zu verlebendigen.

Material bietet unsere Schönstattliteratur ‑ die gedruckte und die ungedruckte, in überreichem Masse.

Um den inneren Zusammenhang besser zu verstehen, halte man vor Augen, dass eine organische Ausreifung des Bündnisses mit der MTA früher oder später kraft innerer Dynamik und unter dem Einflusse normaler Gnadenführung ohnehin zum Bündnis mit dem Vatergott führt und führen muss, vorausgesetzt allerdings, dass keine unüberwind­li­chen Hindernisse von der Seele gesetzt werden. Dazu kommt, dass das Liebesbündnis mit dem Vatergott als eine spezifische Schönstätter Wallfahrtsgnade anzusprechen ist. So will die Gnade der seelischen Beheimatung letzten Endes gedeutet werden. Dahin weist aber auch die Seelengeschichte aller echten Schönstätter ... Alle, die ihr Bündnis mit der MTA ernst genommen haben, sind verhältnismäßig schnell in ein inniges Verhältnis zum Vatergott hineingewachsen: Sie sind schlechthin Vaterkinder geworden. Wie tief dieser Vorgang im Lebensgefühl der ganzen Familie verwurzelt ist, tritt dadurch lichtvoll in Erscheinung, dass dieser immanente Zug, der in allen Schönstattkindern lebt, periodenweise spontan nach oben drängt und sich mit unwiderstehlicher Gewalt im öffentlichen Familienbe­wusst­sein bemerkbar macht. So versteht man, woher es kommt, dass gegen­wärtig weitere Kreise danach streben, im Urheiligtum ‑ ähnlich wie das bereits in Filialheiligtümern geschehen ist, ein Symbol des Va­tergottes anzubringen. Statt theoretischer Auseinandersetzungen weise ich zum Verständnis der inneren Zusammenhänge auf folgenden Bericht hin. Die Atmosphäre, die er atmet, gibt genau den echten Schönstattgeist wieder. Erklärungen brauche ich nicht beizufügen. Der Text spricht deutlich genug. Er sagt:

 

"Bald haben Sie ja Geburtstag, und da möchten Ihnen die Schönstatt­kinder auf der weiten Welt gern Freude machen. So komme ich denn auch, um Ihnen zu Ihrem Festtag herzliche Grüsse zu senden, und ‑ was das Freudemachen angeht, da will ich Ihnen eine Geschichte er­zählen, eine richtig wahre "Geburtstagsgeschichte"...

 

Wer die anschauliche Schilderung des gemeinsamen Lebensaufbruchs im Zusammenhang mit dem deutenden Kurssymbol richtig zu lesen ver­steht, spürt sofort, wie darinnen die Triebkräfte einen adäquaten Ausdruck gefunden haben, die seit dem 20.1.42 in der Familie wirk­sam sind und nach oben zum Gipfel des lang gestreckten Berggipfels drängen, der am 20.1.49 von den Priestern bewusst erstiegen worden ist und seither alle strebsamen Schönstattkinder jeglichen Ge­schlechts periodenweise zum Aufstieg einlädt. Das geschieht nicht immer mit deutlich vernehmbaren Worten, es geschieht aber bald hier, bald dort mit unmissverständlicher Geste. Höhere Macht greift nunmehr wie sich aus der Weihe ergibt, auch stärker in die jüngere Generation hinein, um nach oben zu drängen und die Bergkette zu vergrößern, um sie zu einem uneinnehmbaren Bergmassiv auszuweiten. Es ist nicht so, als hätte die Gnade nicht schon vorher in diese jüngere Generation hineinge­grif­fen. Soviel ich weiss, geschah es aber sporadisch, es geschah nur in einzelnen kleinen Gruppen und in bestimmten Individuen. Dieses Mal steigt aber ein ganzer junger Kurs in die Höhe. Das regt mich an, etwas nachzuholen, was ich bisher diesen Blättern nicht anver­traut habe. Wohl sprach ich bei Gelegenheit vom Kindesakt der Mari­enschwestern und stellte ihn neben den Gefolgschaftsakt der Prie­ster. Es geschah aber nur ganz nebensächlich. Jetzt dürfte der Augenblick gekommen sein, nachdem die Frauensäule als solche sich in verschiedenen Gliederungen einschaltet, Näheres darüber zu be­rich­ten, So sei denn bekannt gegeben: Am selben 20.1.49 wurde die­ser Kindesakt in Form der Eingliederung in den Mariengarten von der ganzen Schwesternschaft aus derselben Haltung heraus getätigt, wie unsere Priester es getan. Schon die beiden Ausdrücke "Gefolg­schafts ‑ und "Kindesakt" weisen auf die Unterschiede in Gefühls‑, Denk- und Sprechweise hin, wie sie in den beiden Akten deutlich zum Aus­druck kommen. Im Kern sind aber beide auf denselben Ton abgestimmt: sie ringen ‑ in ihrer Art bewusst um ein vollkommenes Liebesbündnis nicht nur mit der jenseitigen Welt, sondern auch mit dem Haupt und Gründer der Familie und miteinander. Genau so wie es im Mariengar­ten seinerzeit Wirklichkeit geworden. Das ist bei Licht betrachtet ‑ genau derselbe Gipfel, zu dem auch unsere Filia‑Patris‑Kinder - freilich ohne Wissen um den grossen historischen Zusammenhang hin­streben. Ja, wunderbar sind Gottes Wege! Scheinbar zerbricht das ganze Werk. Und doch sammeln sich im Hintergrunde alle Triebkräfte und beginnen von neuem nach oben zu stossen, um eine neue Welt ins Leben zu rufen...

 

Nach dieser verständlichen Abschweifung, die als eine Vertiefung aufgefasst werden will, greife ich den Faden wieder auf. Wir sag­ten, Schönstattkinder seien schlechthin Vaterkinder. Wir beriefen uns dabei auf eine besondere Wallfahrtsgnade. Es gibt aber noch andere Ursachen und Gründe. Man vergesse zunächst nicht die Bedeu­tung, die bei uns der praktische Vorsehungsglaube hat. Wir halten es alle für selbstverständlich, dass deswegen alle reinrassigen Schönstätter, Providentiakinder per eminentiam sind. Vom Providen­tiakind zum ausgesprochenen Vaterkind ist offenbar kein weiter Weg. Dasselbe gilt auch in umgekehrter Ordnung vom Vaterkind: ein Vater­kind ist ohne weiteres ein Providentiakind. Beide bedingen, beide fordern und fördern einander einfach. Das eine kann auf die Dauer ohne das andere nicht ‑ wenigstens nicht fruchtbar und tief greifend bestehen.

Dazu kommt ein zweites: der Organismusgedanke ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Er orientiert sich allezeit an der objekti­ven Seinsordnung. Darinnen aber ist der Vatergott der letzte Aus­gangs-, der letzte Ruhe‑ und der letzte Zielpunkt. Die ganze na­türliche und übernatürliche Ordnung geht wie ein einziger Liebesstrom vom Vater aus durchströmt die Schöpfung und kehrt wiederum zurück zum Vater...

 

Daraus wird ein Drittes verständlich. Sowohl das Marien auch das Heilandsbild Schönstatts ist letzten Endes ganz betont matrozen­trisch geprägt. 

 

Genauer gesagt: unser Heilandsbild hat drei Dimensionen. Es strahlt vor uns vornehmlich unter einem dreifachen Gesichtspunkte auf.. das heisst: wir verlieren und verlieben uns mit Vorliebe in des Hei­lands Grundbeziehung zu seinem Vater, zu seiner Mutter und zu den unsterblichen Seelen. Wir können dafür auch sagen, unser Heilands­bild ist marianisch und apostolisch gefärbt und patrozentrisch ori­entiert...

 

Daraus ergibt sich abermals, wie reich die Bildungs‑ und Formungs­arbeit ist, die das Schönstätter Vaterjahr leisten möchte. Die Bil­dungsarbeit verlangt eine genaue Herausarbeitung des Marien‑ und Heilandsbildes mit den angedeuteten Umrissen. Die Formungsarbeit erstrebt das gesinnungs‑ und lebensmässige Hineinwachsen in dieses doppelte Bild, um so den Weg zum Vater möglichst vollkommen zu fin­den. Tag für Tag erhält so die Bitte für den genannten Kreis eine größere Fülle:

 

Lass uns in heiliger Dreieinheit stehen

und so im Heiligen Geist zum Vater gehen.

 

Es ist ein Glück, dass wir dabei nicht auf uns allein angewie­sen sind. Die MTA ist sich ‑ dessen dürfen wir uns versichert halten ‑ vom Heiligtume aus ihrer grossen Erziehungsaufgabe bewusst. Sowohl die Beheimatungs- auch die Wandlungsgnade weist deutlich nach der Richtung der Patrozentrik.."

 

1955 - 1960

 

Die Schweizer Pallottiner-Provinz wird mit der pallottinischen Gründung in Portugal verknüpft.

P.Dr.Erwino Helmle lernt die internationale Gemeinschaft in der Villa Thérèse kennen. Er ist begeistert von der pallottinischen Jugend, die gewachsen ist durch die Einweihung des Heiligtums in Bellavista in Chile am 31.Mai 1949.

Er möchte am liebsten, dass junge portugiesische Freunde, die Priester werden wollen, in Kontakt kommen mit den jungen Mitbrüdern in der Villa Thérèse, und später ins Noviziat in Morschach eintreten.

 

Im Jahre 1959 schickt Dr.Erwino den jüngsten Sohn der Familie Lencastre in die Schweiz in die Villa Thérèse. Durch den Kontakt mit den jungen Pallottinern in Fribourg, entschliesst er sich, selber ins Noviziat der Pallottiner einzutreten, um Priester zu werden.

 

Seine Eltern und Geschwister, sind derart erfreut, dass sie Pater August Ziegler bitten, doch besorgt zu sein, dass die Schönstattbewegung in Portugal gegründet werde.

P.August Ziegler leitet durch Gespräche mit den Leitungen der Verbände der Schönstattfamilie in Schönstatt und mit der Provinzleitung der Pallottiner in der Schweiz diese Neugründung in Portugal ein. Die Leitung der Schönstattpriester und der Frauen von Schönstatt sind bereit, an dieser Gründung in Portugal sich aktiv zu beteiligen.

 

Im Sommer 1960 fährt Pater August Ziegler mit vier Frauen von Schönstatt von Fribourg aus nach Portugal. Dort eröffnen die Frauen von Schönstatt zwei Niederlassungen in Portugal, in Bagunte in der Diözese Braga und in Lissabon. P.August Ziegler selber ist bei diesen ersten Gründungsschritten beteiligt. Da er aber durch seine Erzieheraufgabe in Fribourg fest gebunden bleibt, aber auch Bewegungsleiter der Schweizer Schönstattfamilie ist, bleibt er all die Jahre mit der Gründung Schönstatts in Portugal aktiv verbunden.

Im Sommer 1960 bitte P.Provinzial, P.Alfons Ledergeber, dass P.Joseph Grass aus der Pfarreiseelsorge in St.Anton in Zürich herausgelöst wird, einen intensiven portugiesischen Sprachkurs besucht und nach Weihnachten 1960 nach Portugal ausgesandt wird.

 

P.August Ziegler hat mich und das junge Pflänzchen in Portugal immer bis zu seinem Tode am 21.6.1972 begleitet. Er ist damals eigens zu mir nach Zürich gereist und hat mich mit ungefähr diesen Worten begeistert: „Du wirst in Portugal eine grosse Freude erleben. Portugal ist das erste romanische Land und Volk in Europa, das ganz offen ist für die Sendung Schönstatts vom 31.Mai 1949. Dafür dürfen wir arbeiten von unserem Schönstattheiligtum aus.

 

Schönstatt hat in Portugal einen blühenden Aufbruch erlebt seit 1961. Die junge portugiesische Schönstattfamilie war aber in den 60iger Jahren derart erstarkt, dass bischöfliche Verbote für chilenische und Schweizer Mitbrüder für Schönstatt zu arbeiten, die Schönstattfamilie innerlich gestärkt hatte und 1974 das erste Schönstattheiligtum in Lissabon eingeweiht wurde.

 

Heute gibt es vier Schönstattheiligtümer in Portugal: Im Stadtteil Restelo von Lissabon, in Canidelo bei Porto, in Aveiro und in Soutelo bei Braga .

 

Das Schönstattheiligtum in Restelo ist ein echtes Stadtheiligtum, das für viele Menschen dieser Stadt ein gern aufgesuchter heiliger Ort ist. Für viele Kinder der Stadt Lissabon und  die Erzieher dieser Kinder ist das Schönstattheiligtum zu einem ganz besonderen Lieblingsplatz geworden.

 

Unzählige Pilgerheiligtümer besuchen von diesem Schönstattheiligtum in Lissabon aus die Familien dieser Kinder.

Vom kleinen Heiligtum in Fribourg ist einmal Schönstatt nach Portugal getragen worden. Und jetzt kommen die portugiesischen Emigrantenfamilien ins Schönstattheiligtum in Fribourg und beten dort um den Segen für ihre Wanderheiligtümer, stärken sich neu im Heiligtum der Brücken, und tragen vom Heiligtum aus ihre Wanderheiligtümer in ihre Familien, nach Genf, nach Fribourg und ins Wallis.

 

 

 

Als Illustration dieser Heiligtumsgeschichte kopiere ich hier eine Kindererzählung aus Lissabon:

 

  

 

Unsere Liebe Frau in der Geschichte Portugals

 

Erzählungen

 

Patris Lissabon                                                           Lucerna Lissabon

 

 

S.92 – 99

 

„Der Besuch des Pilgerheiligtums“

erzählt von Maria Reis

 

Ich heisse Joâo Maria, ich bin 10 Jahre alt und bin in der 5.Klasse. Ich denke, dass ich ein normales Leben führe und bin ganz glücklich. Bis vor Kurzem, da hatte ich Ärger wegen meines ältesten Bruders, der schon 16 Jahre alt ist. Er begann, es ist schon einige Zeit her, aufgestelltes Haar zu tragen und in der Nase trug er einen Ring. Ich gestehe, ich fand ihn ganz toll, obwohl meine Eltern gar keine Freude daran hatten. Das Problem liegt darin, dass er sich stark verändert hatte. Er bekam ganz schlechte Noten, schwänzte Schulstunden; während er früher ein unbescholtener Bruder war und ich mir nichts daraus machte. Das ging bis zu dem Tag, als er den Eltern gegenüber sich flegelhaft verhielt! Meine Mutter war sehr besorgt über soviel Widerspenstigkeit und diese plötzliche Veränderung. Sie hatte Angst, er würde sich mit Drogen einlassen, was ja eines der grössten Unglücke ist, die es gibt! Eines Tages aber geschah in meiner Familie etwas Aussergewöhnliches, das ich jetzt ganz gerne jedem erzählen möchte.

 

Damit man es verstehen kann, will ich alles von Anfang an erklären.

 

Wie alle wissen, kann Unsere Liebe Frau viele Namen haben. Sie ist die Unbefleckte, sie ist Maria von Fatima. Aber es ist immer dieselbe: Maria, die Mutter Jesu. Einer der ausgefallensten Namen, (wenigstens für uns Portugiesen, kommt er ganz sonderbar vor), ist ihr Name: Unsere Liebe Frau von Schönstatt.

 

Schönstatt heisst auf deutsch „schöner Ort“ und ist der Name einer kleinen Kapelle, in der Unsere Liebe Frau sich entschloss, sich auf ganz besondere Weise niederzulassen, um von dort aus grosse Wunder zu wirken. Dort empfängt Maria alle in ihrem Herzen und lässt uns erleben, dass wir von Gott sehr geliebt werden. Weil sie unsere Mutter ist, erzieht sie uns, indem sie uns gern hat, wie dies alle Mütter ihren Kindern gegenüber ja machen. Sie hilft uns, dass wir immer bessere Menschen werden, dass wir immer ihr und ihrem Sohn, Jesus, ähnlich werden. Schliesslich aber schickt sie uns von dort aus in die Welt, damit wir in der Lage sind, überall, (zu Hause, in der Schule, in unserer Arbeit) die Liebe des himmlischen Vaters und die Erlösung Jesu zu verkünden, wie es die Apostel getan hatten.

 

Und wir, was sollen wir tun? Wir müssen sie einfach sehr gern haben, beten, unser Bestes geben, weil unser Bemühen, wenn es auch gering ist, für Maria hohen Wert hat. Es sind wie kleine Geschenke ihrer Kinder, die sie in grosse Dinge verwandelt!

 

All dies erklärte uns so meine Lehrerin. Denkt nicht, ich sei besonders gescheit. Aber machen wir weiter, ich möchte nicht zu lange werden bei diesem Erzählen.

 

Viele Leute begannen, dieses Heiligtum aufzusuchen und dort zu beten, weil sie dort sich glücklich fühlten. Es war eine gleiche Wärme im Herzen, wie wenn wir gerne nach Hause kommen und unsere Mutter dort mit offenen Armen uns entgegenkommt und uns herzlich umarmt. Das Problem liegt aber nur darin, dass dieses Kapellchen in Deutschland liegt. Für viele Menschen ist das so weit weg, dass sie nie dorthin gehen können, um es zu besuchen. Da fand man eine fantastische Idee: auf der ganzen Welt hat man angefangen genau gleiche kleine Kapellchen zu bauen und mit vielen Gebeten baten die Menschen Maria, sie möge ebenfalls dort wohnen, damit sie immer ganz nah bei ihr sein können. Selbstverständlich sagte Unsere Liebe Frau als liebe Mutter „Ja“ zu dieser Bitte, und jetzt können wir alle bei Maria sein in vielen Heiligtümern in der ganzen Welt und auch in Portugal – in Lissabon, in Porto, in Aveiro und in Braga.

 

Unsere Liebe Frau war ganz zufrieden mit dieser Idee und mit allen Besuchen, die sie im Heiligtum empfangen konnte. Aber auch so gingen viele Menschen, nie dorthin. Die Einen wussten nicht, dass es ein Schönstattheiligtum gibt, wo Maria immer auf ihren Besuch wartet. Andere gehen traurig und enttäuscht durch ihr Leben und wissen nicht einmal, dass wir eine Mutter im Himmel haben, die immer da ist, uns zu helfen. Weil ihre Kinder sie gar nicht in ihrem Haus besuchen, wollte sie in die Häuser ihrer Kinder gehen, um allen ihre Liebe zu zeigen!

 

Eines Tages, es sind schon mehr als 50 Jahre her, da übergab eine Schwester ein Bild Unserer Lieben Frau von Schönstatt einem Mann, er hiess Joâo Pozzobon. Sie bat ihn, das Bild zu nehmen und Familien zu besuchen. Joâo war ein einfacher, aber gleichzeitig ein fantastischer Mann, wie wir alle es sein können. (Ich habe ja denselben Namen wie er und darum denke ich, dass dies mir vielleicht hilft, seinem Beispiel zu folgen). Er war ein guter Ehemann und Familienvater und hatte ein Herz mit grosser Liebe zu Unserer Lieben Frau. Seit dem Tag, an dem er das Bild erhalten hatte, begann er dieses Pilgerheiligtum in Familien, Spitäler, Schulen, Gefängnisse, überallhin zu bringen! Bis zum Ende seines Lebens hatte er mehr als 140 000 km zu Fuss oder auf einem Esel zurückgelegt. Nur damit ihr eine Vorstellung euch machen könnt, wie lange sein Weg war, so wäre es dasselbe, wie wenn er durch ganz Portugal vom Norden bis zum Süden, dem Algarve, ungefähr 233 Mal gegangen wäre!

 

Er sprach mit den Leuten und betete mit ihnen den Rosenkranz. So begann Maria, von Haus zu Haus zu gehen, und sie trug ihre grosse Liebe zu all ihren Kindern. Selbstverständlich wenn er weiter gegangen wäre, ein Mann allein hätte nicht, alle Häuser der Welt aufsuchen können. Darum gibt es heute sehr viele Menschen, die es ihm nachmachen und seinem Beispiel folgen. In vielen Ländern bringen sie dieses Bild und man nennt es Pilgerheiligtum.

 

Eines Tages traf es mich, Joâo Maria, der besucht werden sollte!

 

Zuerst ging ich mit meiner Lehrerin Maria Emilia und meinen Klassenkameraden und wir besuchten das Heiligtum Unserer Lieben Frau von Schönstatt in Lissabon. Wir gingen durch ein grosses offenes Tor in Restelo und durchquerten einen sehr schönen Garten mit Blumen und gut gepflegten Bäumen und lauschigen Plätzen, wo wir uns niederlassen konnten. Die Lehrerin erklärte uns alles, was ich ihnen jetzt erzählt habe. Ich selber fand aber daran kein grosses Interesse, denn ich dachte, das hat mit mir nicht viel zu tun.

 

Nachher aber öffnete die Lehrerin Maria Emilia die Türe zum Heiligtum und wir alle gingen hinein. Wir begannen die Lieder zu singen, die wir gelernt hatten. Es ist aber ganz wahr, ich war mit meinen Augen ganz gespannt auf das Bild hin und schaute Maria auf dem Altar an. Sie trug den kleinen Jesus auf ihren Armen. Beide waren mit demselben Mantel bedeckt. Es war mir ganz wohl, sie so zu sehen. Ich bin gar nicht empfindsam, aber ich war wie von ihr gefangen.

 

Es war dasselbe Bild, das wir an diesem Tag für die Schule mitgenommen hatten. So ging das Bild Unserer Lieben Frau vom Heiligtum aus auf Besuch.

 

Nachher machten wir in unserem Schulzimmer einen Altar mit dem Pilgerbild und da brachten wir Zeichnungen, Arbeiten und Blumen. Das war so schön, dass auch unsere Eltern kamen, es anzuschauen.

 

Jeden Tag trug ein Schüler das Pilgerheiligtum nach Hause, wo es den ganzen Nachmittag und die ganze Nacht blieb, Mir schien, ich käme nie an die Reihe, es nach Hause mitnehmen zu können.

 

Doch dann kam endlich mein Tag! Ich trug das Bild nach Hause, stellte es im Wohnzimmer auf und meine Mutter half mir, eine Zeichnung zu malen, damit ich diese dem Besuch schenken konnte. Meine Grossmuter stand da und war ganz bewegt. Ich wusste nicht, warum, aber sie erzählte mir, sie sei an einem 13. geboren und ihre Taufpatin sei Unsere Liebe Frau gewesen (was ja etwas Unglaubliches ist). Sie hätte sich immer sehr beschützt und von Ihr begleitet erlebt. Darum sei dieser Augenblick für sie so bewegt.

 

An diesem Abend bat ich meinen Bruder inständig, zu kommen, wenn wir als Familie zur Pilgermuttergottes beten. Ich glaube, er wollte nicht. Er hatte aber nicht den Mut, dies zu sagen, weil er sah, dass ich ganz stolz war, für die Organisierung dieses Besuches verantwortlich zu sein.

 

Am Anfang war die Situation etwas komisch: ich, meine Mutter und meine Grossmutter knieten vor dem Bild, mein Vater blieb stehen (er kniet auch nie bei der Messe. Er hat wohl ein Problem mit den Beinen). Er war aber sehr ernst. Mein Bruder mit seinem aufgerichteten Haaren blieb ein wenig weiter hinten, als wollte er zeigen, dass auch er da ist, aber er zeigte kein Interesse an diesen Dingen. Wir beteten eine schönes Gebet aus einem Buch, ich betete auch ein Gebet, das ich aufgeschrieben hatte und das auch nicht schlecht war. Dann schlug die Grossmutter vor, den Rosenkranz zu beten. Einen Augenblick hatte ich Angst, mein Bruder würde jetzt weggehen, weil ein Rosenkranz sehr lange dauert. Er ging aber nicht weg, ich schaute zu ihm, er hatte sein Gesicht voller Tränen! Ich weiss nicht, was die Muttergottes in seinem Herzen zu ihm gesagt hat, aber es muss etwas Wichtiges gewesen sein, denn seit diesem Tag wurde er zu meinem besten Bruder dieser Welt. Er lernte wieder, liess seine Haare schneiden, nur den Ring beliess er. Das ist bei ihm etwas Besonderes.

 

Das wollte ich erzählen: Unsere Liebe Frau wirkt Wunder!

 

Jetzt habe ich und meine Gruppe das Bild der Pilgermutter zu vielen Leuten gebracht. Wir waren schon in einem Altersheim. Die Menschen waren sehr glücklich. Wir brachten Zeichnungen, wir sangen, wir beteten, es war ein Fest. Ich weiss, dass in diesem Jahr etwa 9.000 Kinder die Pilgermutter auf Besuch bringen. Maria freut sich an einfachen und frohen Sachen, sie hat gerne Besuch und freut sich, ihre Kinder besuchen zu können.

 

Sie freut sich sogar, uns in der Nacht zu besuchen, wenn wir schlafen, denn in der Nacht, als wir sie am Tage vorher im Haus aufgenommen hatten, träumte ich, das Kind, das sie auf den Armen hatte, wäre ich gewesen. Ich war ganz eingehüllt in ihren Mantel, wurde von ihr umarmt und war ganz nah an ihrem Herzen voller Friede in ihrem Licht.

 

Auf der Rückseite des blauen Buches sind folgende Worte von Sr.Lucia zu diesem Buch geschrieben:

Ich habe grosse Freude gehabt an diesem Buch. Es freut mich, wenn alle Kinder in Portugal es lesen, damit sie immer mehr jedes Mal lernen, unsere Herrin mehr zu lieben.

Sr. Lucia.

 

"...himmelwärts!"

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