Paul Vautier als Gymnasiast im Friedberg, Gossau

"Immer verbunden..."

 Pater Paul als Gymnasiast im Friedberg, Gossau

                                                                                                                                                                                                                                                                         

 

                                                  Elmar und Paul

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Paul Vautier und Elmar Agosti sind dicke, aber total ungleiche Freunde!

Elmar Agosti verunfallt bei einer Bergwanderung am 16. September 1964 tötlich. Ein Schock für die ganze Gymnasialklasse... auch für Paul, dessen Mutter im Jahr 1955 und dessen Vater 1958  sterben!

Pater Banz sagt: "Elmar Agosti ist für mich ein Heiliger!"

                                                                                                                                          Paul ganz rechts, Elmar daneben

ÜBRIGENS - ES WIRD EINE BRÜCKE GEBAUT.

PATER GERMANN ERNENNT PATER PAUL NACH SEINEM TOD ZUM

PATRON DER BRÜCKENBAUER!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 "Paul hat sich mit so viel Philosophien herumgeschlagen, ich kam da gar nicht mehr mit! Sorgen habe ich mir um ihn nicht gemacht. Es gab andere, die mich mehr beschäftigen...!"

Pater Banz

"Zuerst musste man Angst haben, wenn Paul nur einen Hammer in die Hand nahm. Nach und nach bekam er durch die Freundschaft mit Elmar handwerkliches Geschick. Bei Elmar konnte er vieles "abgucken". Umgekehrt provitierte Elmar von Paul's Intelligenz!"

Pater Banz, damaliger Spiritual

 

"...wird sie die Besten um uns scharen..."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Im Tagebuch von  Elmar Agosti, herausgegeben von Pater Josef Banz,

trägt Paul Vautier den Decknamen Claude.

Das Buch kann man beim Autor bestellen

seelsorge@bruderklaus.com

Ausschnitte aus dem Tagebuch:

Donnerstag, 28. 05.64: Der Donnerstag soll immer der Tag sein, an dem ich für die Priester und um Priesterberufe bete.

Die Schule schenke ich Gott für alle Priester, das Studium für alle, die um den Priesterberuf ringen, vor allem für Claude, Markus, Norbert und Felix, das Abendstudium um Klarheit in der eigenen Berufswahl

Freitag, 29.05.64: Ich will mich heute zusammenreissen in der Schule und im Studium für die AGAPE. Besonders denke ich an die, welche sich uns nähern: Claude, Bruno, Urs.

 

Gossau heute:       http://www.schoenstatt.ch/?id=388

 

            

 

 

 

Am 18. Oktober 1961 wird das neue Heiligtum eingeweiht.

Nebst den damaligen Studenten des Gymnasiums

waren an der Feier auch zahlreiche...

 Weihegebete der Gymnasiasten in der Weihestunde  im Jahr 1964:

9.05.1964 um 21.30

Feier am Abend:

21.30 Uhr, die letzten Besucher sind gegangen, treffen sich die zehn jungen Männer im Schönstatt-Heiligtum.

Die Bänke sind ausgeräumt, dafür stehen ein Dutzend Stühle in einem nach vorne offenen Kreis. In der Mitte steht ein Kerzenleuchter - von einem Studenten eigens für diese Feier verfertigt- mit zwölf kleinen und einer grossen Kerze.

So gleicht die Versammlung jener Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern in Jersalem, die gemeinsam mit Maria un die Kraft des Heiligen Geistes gebetet haben.

Zuerst hören wir drei Worte aus der Heiligen Schrift.

Sie sollen uns den Sinn dieser Stunde ein wenig erhellen...

 

 

 

Die ausführliche Predigt von P. Edwin Germann, am 11. September 2011 

"Unsere liebe Frau vom Friedberg"

Wir haben in der katholischen Tradition eine eigene Art der Namensgebung.
Wir sagen: Unsere liebe Frau von Einsiedeln, vom Berge Karmel, von Lourdes, von Fatima…
So dachte ich: wir könnten auch sagen: Unsere liebe Frau vom Friedberg.
Wir feiern miteinander 50 Jahre Kapelle oder Heiligtum unserer Lb. Frau vom Friedberg.
Damit haben wir die beiden Teile dieser Predigt.

1. Der Name Friedberg hat für mich einen ganz besonderen Klang.
Das hat zu tun mit dem Weg meiner Berufung.
Meine erste Erinnerung ist das Buchlädelchen im kleinen Haus und ein Bruder.
Bevor ich 1956 mit 11 Jahren von Bischof Josephus Hasler in Waldkirch gefirmt wurde,
ist meine Mutter mit mir auf den Friedberg gegangen, um mir einen "Bomm" zu kaufen,
das lateinisch-deutsche Messbuch. Es war noch vor dem Konzil.
Der Bruder steckte mir als Lesezeichen ein MTA-Bild in das Messbuch.
In der Auslage sah ich noch ein schmales Bändchen mit dem Titel "Alter Witz".
Ich drängte, bis es mir die Mutter auch kaufte. Ich hüte diese Erinnerungsstücke bis heute.

Bei dieser Gelegenheit sah ich auch die Vorgängerkapelle, die Marienkapelle von 1951.
Ich erinnere mich nicht an Einzelheiten, nur daran, dass ich eine wundersame Wärme verspürte.
Es war etwas "Heimeliges", das mir entgegenkam und das mich anzog. Eine Art Geborgenheit.
Irgendwie fühlte ich mich gut und fasste spontan Vertrauen zu diesem Ort.

Vier Jahre später, im Sommer 1960 bewarb ich mich um Aufnahme an das Gymnasium.
Ich erinnere mich an Elmar Agosti, der mich schüchternen Neuling im Hof freundlich begrüsste.
Er sass auf einer Bank und ich muss ihm meine Sorge gesagt haben bezüglich des Studiums.
Jedenfalls hatte er mich auf die Marienkapelle hingewiesen und schlicht gesagt,
Maria würde mir sicher helfen. Ja sie hat es bis heute getan.

Ich kam dann an die Schule und ich erinnere mich, wie wir im Winter 1960 während des Unterrichts durch die Fenster die Bagger auffahren sahen und wie die Kapelle abgerissen, "rückgebaut" wurde.
Es tat mir leid und ich war in wehmütiger Stimmung, auch deswegen weil meine Lateinnoten im Keller waren. Ich konnte nach Ebikon wechseln und habe dann von ferne mitbekommen, dass eine neue Kapelle gebaut und eingeweiht wurde.

1964-66 war ich wieder zurück auf dem Friedberg im Lyzeum für die Matura.
In diesen Jahren war eines der eindrücklichsten Erlebnisse, die Marienweihe von P. Paul Vautier.
Den Ritus hatte er sorgfältig und eindrücklich gestaltet.
Ich erinnere mich vor allem daran, dass er zu Beginn eine Prostratio machte.
Durch ihn ist mir die neue Kapelle auch irgendwie vertraut und heimelig geworden.

Dann kam ich weg für Noviziat und Theologiestudium nach Deutschland, in Schönstatt und Münster.
Es kam eine Zeit, die nicht leicht war. Man nennt sie gemeiniglich die Zeit der "Trennung".
Ich selber sage lieber: eine Zeit der Zell-Teilung, wie es sie in der Kirchengeschichte immer wieder gegeben hat. Sie war für alle Beteiligten sehr schmerzlich.

Nach der Priesterweihe 1975 wurde ich nach Burundi ausgesandt.
Schon bald hatten wir dort gelegentlich Besuche von polnischen Pallottinerpatres, die in Rwanda arbeiteten. Und das war immer sehr herzlich.
Im Laufe der Jahre wurden die Kontakte häufiger und beide Gemeinschaften hatten einheimischen Nachwuchs. Die Noviziate besuchten sich und erzählten einander unbefangen von den Charismen ihrer Gründer. Es gestaltet sich bis heute ein freundschaftliches und herzliches Zueinander.
Zur Zeit des Genozides in Rwanda musste das Noviziat der Pallottiner nach Kamerun flüchten.
Wir konnten sie bei uns in Burundi für einige Tage aufnehmen, bis sie die Visa hatten.

Vor Jahren wurde in Europa die Geschichtskommission Pallottiner-Schönstatt gegründet.
P. Paul Vautier hat darin massgeblich mitgearbeitet. Es wurde sehr gute Vorarbeit geleistet.
Eine erste gute Frucht war der Kongress an der Hochschule in Schönstatt diesen Frühling.
Pallottiner und Schönstätter haben mit gegenseitigem Respekt auf die Geschichte geschaut.
Warum ich das alles erzähle?
Damit wir uns alle erinnern, wie jede und jeder mit dem Friedberg verbunden ist.
Und dass wir miteinander danken. Ich habe diese Geschichte als Ursache von Hoffnung erlebt.
Auch wenn ich Zeiten der Entfremdung gekannt habe, der Goldgrund der Geschichte ist nicht verblasst.
Bei allen Mäandern dieses Geschichtsflusses und bei allen scheinbaren oder wirklichen Irritationen im Laufe der Jahre, sehe ich eine geheimnisvolle Führung.
Elmar Agosti hatte damals dem schüchternen Neuling mit dem Hinweis auf Maria Mut gemacht.

2. Und somit sind wir bei "Unserer lieben Frau" angelangt.
Maria wird meist im Zusammenhang mit einem Ort erwähnt.
Menschen erzählen Geschichten, die mit einem Ort verbunden sind;
Namen und Orte sind nie exklusiv zu verstehen, sie erzählen von Erfahrungen, realen Erfahrungen.

Maria ist den Pallottinern und Schönstättern gleichermassen nahe und heilig.
Der hl. Vinzenz Pallotti und seine Gesellschaft verehrt sie als die "Königin der Apostel".
Er hat die Pfingstgemeinde um Maria mit weiteren Frauen ergänzt, um zu zeigen, dass von Anfang Laien eine wichtige Rolle spielen in der Kirche; es geht um das Volk Gottes.
In Schönstatt bekam Maria den Titel "Dreimal wunderbare Mutter", in Anlehnung an Ingolstadt.
Auch für P. Kentenich ist Maria im Pfingstsaal, im Coenaculum, eine Lieblingsszene.
Er spricht gerne vom dreifachen Geist: Apostolischer, Gemeinschafts- und Marianischer Geist.

Ich stelle mir diese kleine Schar im Abendmahlssaal gerne sehr konkret vor.
Nach all den unbegreiflichen Ereignissen, muss die Stimmung ziemlich durchzogen gewesen sein.
Die Verunsicherung muss starken seelischen Lärm und ein Durcheinander verursacht haben.
Aggression und Depression, Enttäuschung und Ratlosigkeit haben das Klima bestimmt.
Und das hat sich sicher auch lautstark geäussert, entsprechend den Typen und Charakteren.
Einige von ihnen kennen wir aus den Evangelien:
- Petrus, der Stürmische und Wankelmütige, der Aufbrausende – aber auch Demütige und Einsichtige.
- Jakobus, der Impulsive und Jähzornige, einer der "Donnersöhne", der Feuer vom Himmel rufen wollte.
- Johannes der Lieblingsjünger Jesu, feinfühlig, verschüchtert und traurig.
- Thomas der Zweifler, der sinniert, dass eben doch nichts dran ist, alles nur ein Spuk, ein Phantom – der aber dann doch die tiefen Worte fand "Mein Herr und mein Gott!"
- Nathanel/Bartholomäus, der Misstrauische, er hat ja gewusst und gesagt, dass aus Nazareth nicht Gutes kommt – aber ist dennoch gefolgt, zum Glück.
Der hl. Vinzenz Pallotti liess zu dieser Apostelschar noch weitere Frauen malen, weil es ja in der Apostelgeschichte neben Maria noch von Frauen und Brüdern die Rede ist.
So kann ich mir vorstellen, dass aus den Evangelien uns Bekannte dabei waren:
- Maria Magdalena, die ihm am Ostermorgen begegnet ist, und die Dinge bereits anders sieht
und die Männern an ihre Begegnung erinnert und an sein Worte der Ermutigung.
- Martha, die Eifrige, die sich an die Mahnung des Herrn erinnert, sie solle nicht so herumstressen.
- Maria, die zu Füssen Jesu sass, und sich bis zur Stunde an Jesu Wort erinnert, sie hätte das Bessere erwählt.
-
Mir kam letzthin ein Wort entgegen, das die damalige Situation ins Heute holt:
Der Chefredaktor des Sonntags schrieb in einem Vorwort:
"Ginge es nach meinem inneren Stammtisch (es kann auch das Kafichränzli sein),
würde der Terrorist und Massenmörder von Norwegen eines langsamen und qualvollen Todes sterben."

Das mit dem "inneren Stammtisch" ist eine Situation, ewig alt und ewig neu und sehr aktuell.
Ich meine damit die Frage unserer Gesprächskultur.
Ich stelle mir lebhaft vor, dass vor dem Pfingstwunder eine Art Stammtisch-Atmosphäre geherrscht hat unter diesen Männern und dass Maria mit den Frauen darunter etwas gelitten hatten.
Allmählich konnten sie erreichen, dass die Situation besonnener und ruhiger wurde.

In der Kommunikation spricht man heute gerne vom "inneren Team". Und die Aufgabe ist deutlich:
Wie kann sich der "innere Stammtisch" zum "inneren Team" wandeln?
In mir drin, in jedem und in jeder von uns sitzen folgende 5 am Tisch:

1. der Kläger, der Ausrufer, der "Bauchtyp", der einfach mal seinem Unmut freien Lauf lässt,
der Genervte, Entzündete, Verärgerte, der Typ des Schnellschusses.
2. der Anwalt, der "Herztyp", der den Angeklagten in Schutz nimmt, der die Argumente des Gegenübers wahrnimmt, der weiss, dass es auch die andere Seite gibt, das was man nicht auf Anhieb wahrnimmt.
3. der, der den –Kippschalter bedient, man könnte sagen der Regulierer, Regulator oder der "Kopftyp", der den Überblick bewahrt und weiss wann man den Ton und die Redensart wechseln muss.
4. der Humorvolle, der Hofnarr, der die Wahrheit "en flattant" sagen kann und somit die Situation entspannt, ent-dramatisiert, entschärft.
5. der Spätmelder, der erst am andern Tag merkt und einen "Rückkommensantrag" stellt:
Komm ich glaub wir sollten nochmals in Ruhe darüber reden können…

Das wäre das moderne, heutige Coenaculum: Vom innern Stammtisch zum innern Team!
In einer ersten Phase hat die Nr. 1, der "Kläger" die längste Redezeit.
Das darf sein, sollte aber nicht zu lange dauern. Auch die andern vier sollen zu Worte kommen.
Es zeigt unsern menschlichen Beitrag, unser Bemühen, unser menschliches Mitwirken,
damit das Pfingstwunder geschehen kann, damit sich die Leute in allem Lärm und Durcheinander in der eigenen Muttersprache verstehen können.

Der Mensch bleibt sich treu und jede Generation und jedes Individuum ist eingeladen
immer neu zu lernen – unsere liebe Frau ist dabei eine gute Lehrerin, eine treffliche Mediatorin und Moderatorin.
Wir hören sie im Geiste uns zureden
- lass es doch mal gelten, höre zuerst einfach zu und "schlucke ein paar mal leer".
- Es könnte ja sein, dass du vom Schrägen, was dir entgegenkommt, etwas lernen könntest.
- Frage doch erst mal nach: Wie meinst du das? Wie soll das gehen?
- Frage weniger "Wer hat Recht?" sondern "Wie können wir miteinander dem Leben dienen?"


EMPFANGEN UND WEITERGEBEN heisst das Motto dieser Jubiläumsfeier.
Es könnte auch das Motto des Coenaculums sein.
Darin besteht das Pfingstwunder: Empfänglich werden und weiterschenken.
Wir sind zwischen zwei Marienfeiertagen: Mariae Geburt (8.9.) und Mariae Namen (12.9.)
Und heute ist der 11.9. der 10. Jahrestag der grossen Bedrohung.
An der grossen Politik in der Welt können wir direkt nicht viel ändern, die nimmt ihren Weg.
Aber an dem Ort, wo wir hingestellt sind, können wir dafür sorgen und mithelfen,
dass eine Gesprächskultur entsteht und eine Geistesgegenwart möglich wird.
Da wo wir auf das innere Team hören, wird es dem Heiligen Geist möglich, zu uns zu sprechen.
"Nichts ohne Dich und nichts ohne uns" ist die Kurzformel dieses Zusammenwirkens.

Verbunden mit Maria und den Aposteln und den Frauen und Brüdern
können wir viel empfangen und innerlich reich werden
und dann von diesem Reichtum weitergeben.

P. Kentenich hat dies in Dachau in einem Vers-Gebet zusammengefasst:

Inmitten der Apostel darfst erflehen
Du machtvoll des versprochenen Geistes Wehen,
das schwache Menschen umgewandelt hat,
die Kirche hinweist auf den Siegespfad.
Schliess unsere Seelen auf für Gottes Geist,
dass neu die Welt er aus den Angeln reisst.


Unsere Liebe Frau vom Fried-Berg möge uns dabei helfen.
Amen

 

"...himmelwärts!"

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